Die erste Woche…

…. ist verflogen wie nichts.

Das liegt an den vielen tollen Eindrücken, aber auch daran, dass das Land so anders funktioniert, dass man sich erstmal einfinden und organisieren muss.

Die ersten Tage haben wir in Teheran verbracht. Wie ich inzwischen weiß, leben dort 9 Millionen Menschen, tagsüber wächst die Stadt auf 12 Millionen Menschen an. Selbst die „Vororte“ wie Karaj haben noch 3 Millionen Einwohner, also vergleichbar mit Berlin.

Unser Start nach Teheran war sehr gemütlich, wir haben im 4-Sterne-Hotel am Flughafen ein wirklich dekadentes Frühstück genossen. Leider kann ich trotz VPN Zugang zum Internet keine Fotos hochladen, wordpress gehört wohl zu den gesperrten Apps ( wie für meine SIM-Karte fast alles..). Danach ging es los ins erste Abenteuer: Metro fahren. Dies ging vom Flughafen aus extrem gut. Nachdem eine andere Frau mit Einstieg, entschied ich mich dagegen, in den women only Wagen einzusteigen. Als es in Teheran immer voller wurde, war es schon ein merkwürdiges Gefühl, mit etwa 5 Frauen auf engstem Raum mit jeder Menge Männern zu stehen.

Angekommen liefen wir von der Metro-Station aus Richtung Hostel der Initiative See You In Iran. Die Mitglieder von SYI leisten jede Menge Arbeit, um Tourismus zu ermöglichen, medienwirksam zu zeigen, dass der Iran ein super Reiseland ist und unterstützen einen, wo es geht. Leider haben die Sanktionen jede Menge Auswirkungen auf die Menschen im Iran. Alle fürchten um Ihre Zukunft, die Inflation geht rapide ( 1 € waren bei unserer Ankunft umgerechnet 200.000 Rial) und keiner weiß so genau, wie es weiter gehen soll. Auf den Tourismus wirkt sich das auch aus: das Hostel ist normalerweise im November voll ausgebucht, dieses Jahr gibt es bisher 3 Reservierungen.

Man merkt die Sanktionen aber auch an anderen Ecken: man zahlt plötzlich Touristenpreise. Dies war vorher im Iran nicht üblich und es hat uns zwei Tage gekostet, bis wir verstanden haben, wie viel manche Dinge eigentlich kosten. Man sieht viele ernste Gesichter, und obwohl jeder Reiseführer rät, von politischen Diskussionen abzusehen, werden die Sanktionen früher oder später Thema.

Im Hostel hatten wir Glück: da die Schlafsäle ausgebucht waren, bekamen wir für den gleichen Preis ein Doppelzimmer. Übernachten ist nach wie vor neben geführten Touren das teuerste auf einer Iranreise, alles andere ist durch die Inflation sehr günstig. Metro fahren kostet 5 Cent, mit 2 Personen und Getränken kann man gut für 4 -8 € essen gehen.

Nachdem wir uns ausgeruht und länger mit einem Holländer über seine Reiseerfahrungen ausgetauscht hatten, gingen wir los, um zum ersten Mal essen zu gehen. Die Cafés in Teheran haben oft sehr schöne Höfe mit vielen Bäumen und Blumen, in denen man sitzen kann. Die Limonaden werden dort frisch zubereitet und sind ziemlich lecker. Nachdem wir gestärkt waren, erkundeten wir die nähere Umgebung und sahen die erste Moschee und eine der wenigen Kirchen des Landes. Es wurde schon gegen halb 6 dunkel, und wir hatten noch kein richtiges Gefühl dafür, wie sicher man im Dunkeln draußen ist (inzwischen denke ich, dass man an den meisten Ecken keine Angst haben braucht, es ist vermutlich ähnlich wie in deutschen Großstädten). Also steuerten wir irgendwann doch zurück Richtung Hostel. Auf dem Weg entdeckten wir jedoch einen kleinen, hübschen Innenhof und einen tollen Balkon. Neugierig liefen wir hinein und hatten unsere erste sehr schöne Reiseerfahrung: nach einem sehr guten Chai + Kuchen bekamen wir gratis Töpferunterricht von einer Lehrerin und Übersetzerin. Die getöpferten Schalen können wir brennen lassen und am Ende des Urlaubs abholen.

Der zweite Tag unseres Urlaubs war ein bisschen der Tag des Ankommens und Kulturschocks. Basti machte es zu schaffen, dass bisher so wenig Plan für die folgenden Tage da war und ich hatte auch an einigen Stellen meine Probleme. Nach dem Frühstück zogen wir los um, um eine SIM-Karte zu besorgen und den Golestan Palast zu sehen. Der SIM-Karten-Kauf war Sinnbild für unsere anfängliche Verwirrung beim Einkaufen und iranischer Organisation und dem Gefühl, betuppt zu werden: kaum ein Wort Englisch, erst hieß es die Karte würde nur 14 Tage laufen, fann plötzlich 21, da Touristen keine Simkarten kaufen können lief sie auf den Namen der Verkäuferin, mein Pass wurde aber trotzdem gescannt und am Ende haben wir vermutlich den 4fachen Preis (8€) inkl. Eines angeblichen Datenvolumens von 15 HB bezahlt, wissen aber nun, dass man 10 GB davon nur nachts nutzen kann. So viel zum Kulturschock;) Der Palast war wirklich sehr beeindruckend. Die verspiegelten Räume waren sehr imposant und die Mischung aus europäischem Barock und 1001 Nacht in Form von Fliesenbildern und Säulen war schön anzusehen. Auf dem letzten Stück durch den Garten stießen wir auf einen älteren Herren, der uns auf deutsch ansprach und fragte, ob er sich mit uns unterhalten könne. Er lernte seit einem halben Jahr deutsch, sprach aber wahnsinnig gut. Dieses Gespräch war für mich eines der Erlebnisse, die den zweiten Tag recht schwierig machten: es war ein tolles Gespräch, aber eigentlich nur zwischen ihm und Basti. Das hat mich an dem Tag sehr mitgenommen, weil ich das Gefühl hatte, als Frau wenig beachtet zu werden. Inzwischen weiß ich allerdings, dass in den allermeisten Fällen die Männer recht unsicher sind, wie sie mit europäischen Frauen umgehen sollen und es viel an mir liegt, mich einzubringen, zuerst die Hand zu geben, usw. Direkt zu Beginn war ich allerdings noch zu eingeschüchtert.

Nach einem Essen im Golestan Palast hatten wir leider kaum noch Geld übrig (ich hatte nur einen kleinen Teil am Flughafen getauscht) und machten uns daher auf den Rückweg, auch um zu organisieren. Inzwischen wussten wir immerhin, dass wir viel weniger für ein Metroticket ausgeben mussten, als wir es bei der ersten Fahrt getan hatten. Am Rückweg durch den Park trafen wir Reza, der uns auf einen Tee einlied und mit seinen Antiquitätenhandeln und seinem Reichtum protzte. Trotzdem war es eine ganz witzige Begegnung. Im Hostel schafften wir es mit der Organisation auch nicht so recht, wir waren abwechselnd zu müde, hatten noch sehr schöne Gespräche mit einer der Hauptamtlichen im Hostel und einem deutschen, der seit einem knappen Jahr in einem winzigen iranischen Dorf wohnt und dort auch Fotos macht und mussten noch etwas zu Essen einkaufen. Wiederum zum überteuerten Preis- aber danach haben wir gelernt, wie wir die Ladenpreise finden. Man wird besser 😉 so gingen wir abends beide recht unzufrieden und bedrückt schlafen, aber wussten auch irgendwie schon, dass dieser Tag einfach nötig war, um anzukommen.

Der nächste Tag würde dann sehr schön. Wir planten erst beim Frühstück draußen in der Sonne unsere direkte Weiterreise und brachen dann auf Richtung Bazar. Die überfüllte Stadt und der Lärm und das Verkehrschaos stressten uns nicht mehr und wir konnten es genießen zu entdecken. Im Bazar haben wir dann auch ein Kleidungsstück für mich geshoppt – 1,25 €. Man musste immer etwas aufpassen um nicht von den Karren mit allerlei Waren drauf überrollt zu werden. Da Basti Lust auf Tee hatte steuerte er schnurstracks in einen Nussladen und fragte nach – die Situation war recht witzig, weil die Herren dort auch kein Englisch sprachen. Für den Tee wollten sie natürlich nicht bezahlt werden – also kauften wir stattdessen ein Kilo Erdnüsse. Einige Straßenzüge die wir entlang liefen wirkten etwas absurd, wie die Straße, in der fast nur Roller standen oder eine Graskonsumecke, in die wir versehentlich liefen. Aber insgesamt war das bunte Treiben sehr spannend, auch außerhalb des Bazars. Wir erhaschten viele Blicke in die Werkstätten, die Bleche für die kunstvoll verzierten Zuckerdosen und Teekannen herstellten und die Läden. Man kann sagen: es gibt in Teheran wirklich alles, man muss nur wissen wo. Wieviele Kästen mit Schraubenziehern oder Reissäcke oder Autoreifen wir umschiffen mussten.. das Straße überqueren lief langsam uach flüssiger: losgehen und böse gucken 😉

Auf dem Weg zum Nationalen Juwelenmuseum in der Nationalbank liefen wir auch an diversen anderen Banken vorbei – und in manche hinein: bei den bombastischen Gebäuden und Eingangshallen fehlten nur noch die Kobolde hinterm Tresen. Das Gringotts-Gefühl hielt auch auf dem Weg ins Museum weiter an: wir wurden durch diverse Sicherheitsscanner ohne alle unsere Sachen in den Keller geschleust, die unglaublich dicken Tresortüren standen allerdings schon offen. Witzigerweise sitzen hier an den absurdesten Orten immer Menschen, die Tee trinken: so auch im Keller der Bank zwischen drei Sicherheitsschleusen und dem Museum.

Das Museum selbst war sehr imposant, ich will nicht wissen, welche Werte dort lagen. Aber falls ihr mal einen Globus komplett aus Edelsteinen braucht oder einen diamantbesetzten Regenschirm – kein Problem! So ein Diamant-Krönchen wiegt auch nur etwa 3 kg.

Danach zogen wir weiter und fanden das Café von Google Maps nur durch die Hilfe Einheimischer: es war einer dieser vielen Eingänge, an denen man Null erkennt, was danach kommt. In diesem Fall ein sehr schönes Dachcafé mit gutem Essen.

Nach dem Café gingen wir dann wirklich mal im Hostel den weiteren Urlaub planen und waren danach beide sehr zufrieden.

Am vierten Tag brachen wir dann wie geplant auf zu Daniels Familie (ein Bekannter von Basti, der jede Menge Geschenke von ihm dabei hatte). Wir waren recht aufgeregt, weil wir noch so wenig Übung im taroof hatten und schwer einschätzen konnten, was uns erwartet. Taroof ist die iranische Höflichkeitsform, bei der man im Prinzip alles mehrfach ablehnen muss – z.b. bietet der Taxifahrer an, dass man nicht bezahlen muss und man muss darauf bestehen. Sehr ungewohnt.

Daniels Vater holte uns vom Bahnhof ab, und bei ihm war eine Freundin seiner Tochter aus Teheran, die extra zum Übersetzen angereist war und die gesamte Zeit über blieb. Natürlich gab es direkt nach unserer Ankunft jede Menge zu essen uns Tee und Süßigkeiten und ungelogen, 10 Minuten stillsitzen ohne etwas abzulehnen war sehr schwierig. Am Anfang war die Stimmung noch etwas befangen, aber über die Tage hinweg wurde es immer lockerer und auch authentisch herzlicher.

Am ersten Abend wurden wir ins Einkaufszentrum gebracht (natürlich nicht ohne Eis) und die ganze Familie trudelte zum Abendessen ein ( ich glaube das ca 5. Mal, dass wir seit dem Mittagessen etwas gegessen hatten). Die Mutter kochte extra alles vegetarisch, weil Basti ihrem sohn gegenüber erwähnt hatte, dass ich Vegetarierin bin, aber offen sei Fleisch zu probieren. Taroof und Gastfreundschaft – alles tun, damit man sich wohlfühlt. Vor dem Essen gab es eine Spielerunde der jüngeren Generation, das löste die Stimmung sehr. Am nächsten Tag wurden wir nach dem Kauf einer zweiten Simkarte, diversen Taroof-Fettnäpfchen, in die wir tappten und einem Spaziergang im Park mit dem Auto auf dir Straße Richtung Norden gebracht. Chico, der Vogel der Familie und das mit Abstand wichtigste Familienmitglied war ebenfalls dabei, wie auch ein gigantisches Picknick inkl. Teeset und warmem Essen. Die Gebirgsstraße war abgesehen vom Müll ( man ist da ja verwöhnt als Deutscher) wirklich sehr schön .

Zuhause angekommen saßen wir im kleinen Garten, lernten ein bisschen persisch, hatten nette Gespräche und spielten wieder und waren etwas traurig, als wir am nächsten Morgen in aller Frühe weiterzogen.

Denn nun ging es mit dem Taxi Richtung Qazvin – wo uns unser Guide Rasoud schon erwartete. Mit ihm und einem Paar aus der Schweiz fuhren wir noch über eine Stunde ins Alamut-Tal zum Heim und zur Farm seiner Eltern. …tbc…

Iran.

Angekommen.

Ganz entschieden habe ich noch nicht, ob ich im Iran regelmäßig bloggen möchte. Also je nachdem wie es passt, gibt es hier immer mal ein Lebenszeichen, neue Eindrücke oder sogar ein Reisetagebuch, ihr dürft ich überraschen lassen 😉

Jedenfalls bin ich erst einmal gut gelandet und habe direkt in Köln am Flughafen A. kennengelernt, der nicht nur angeboten hat, uns in Kerman zu hosten, sondern mir auch mehrere Stunden am Stück erklärt hat, was es alles wunderbares zu sehen gibt. Da er alte Gebäude restauriert, hat er in so ziemlich jeder Stadt im Iran schon einmal gearbeitet. Ihm ist es sehr wichtig, dass das Bild vom Iran sich ändert und weniger von den Medien beeinflusst. Deshalb hat er sich gewünscht, dass ich ihn nach meiner Reise einen Brief mit meinen Eindrücken, positiv wie negativ, zuschicke.

Das Visum on Arrival zu bekommen, hat gerade einmal 5 Minuten gedauert. Auch mit Iranair zu fliegen, war sehr angenehm. Spannend war zu sehen, wie die Frauen in Deutschland ein- und im Iran wieder ausgestiegen sind. A. hat mich bei meinem ersten Kopftuch-Versuch erst einmal ausgelacht, er meinte, es sähe zu bemüht aus 😉 tja, so wie es danach war, rutscht es leicht. Da braucht man wohl ein bisschen Übung 😉

Fotos gibt es dann die Tage, falls wir vernünftig an eine SIM-Karte kommen oder regelmäßig WIFI haben. Ob das klappt mit den Bildern weiß ich aber noch nicht genau.

Liebe Grüße in die Heimat!

Back Home.

Es wurde bemängelt, dass ich nicht mehr geschrieben habe, dass ich wohlbehalten zuhause bin.
Tadaa – Ich bin wohlbehalten zuhause.
Ich wurde super nett empfangen, die Mädels aus dem Haus und mein Mitbewohner von unten haben mich am Flughafen abgeholt (5 Stunden Autofahrt für sie <3) und zuhause wartete auch schon eine kleine Überraschung von meinen beiden Jungs. Deutschland ist noch kalt und fremd, aber mit jedem Tag komme ich wieder mehr an. Auf jeden Fall wirkt es nach, dass Pilgern. Ob es hier nochmal weiter geht und ich noch ein paar rückblickende Artikel zu Ausrüstung und dem Pilgern an sich schreibe, das weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall ist meine Abenteuerlust geweckt und wer weiß, was als nächstes kommt...? 🙂 Spätestens dann wird der Blog reaktiviert.

32: Olveiroa –> Finisterre

Ein weiterer Tag Gepäcktaxi. Also: nachdem ich schon um 4 wach war, stand ich um 6 mit Anja auf, trank noch 1-2 Kaffee mit ihr und ging danach in aller Ruhe im Dunkeln draußen frühstücken, duschen, packen. Selbst danach hatte ich noch ein wenig Zeit und saß im Café. Im Taxi hatte ich den ersten Blick aufs Meer B-) In Finisterre angekommen ging ich auf Herbergenpirsch und traf Kevin wieder, mit dem ich durch das kleine, beschauliche Örtchen schlenderte.
Die Herberge war ziemlich toll. Warm, gepflegt, sauber, und wirklich gemütlich. Etwas Hippiemäßig, aber das mag ich ja sehr gern. Man wurde jedenfalls zur Begrüßung schon umarmt und es war alles sehr familiär. Die ganze Küche stand voll mit Essen, on donativo, auf Spendenbasis.
Anja kam schom um 2 an, nach über 30 kilometern! Während sie duschen war, versuchten Kevin und ich, ihre Wanderstöcke zurück zu brkommen, die sie irgendwo hatte stehen lassen, was etwas abenteuerlich war. Am Abend haben wir sie dann zurück bekommen 😉
Danach gingen wir zu dritt die drei Kilometer zum Cape Finisterre. Kilometer 0!! Unfassbar.
Wir gingen danach zum Supermarkt und kochten nett, und hatten einen gemütlichen Abend in der Küche.

31: Negreira –> Olveiroa

Mein Geburtstag!
Als ich aufstand, bekam ich eine dicke Umarmung inklusive Ständchen, einen pilgergerechten Geburtstagskuchen (ein Melide-Kränzchen) und es lag sogar ein kleines Päckchen auf meinem Platz, aus dem wunderbaren kleinen Gewürzladen in Santiago neben „Zuhause“. Ja, wir sind tatsächlich an den Punkt gekommen, wo man eine Herberge und ein Café versehentlich zuhause nennt. Nach 5 Wochen, in denen man jede Nacht woanders geschlafen hat und vorher nie wusste, was einen erwartet. Jedenfalls hab ich mich sehr gefreut.

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Während ich auf das Gepäcktaxi wartete, hat meine Family angerufen.
Die Fahrt mit dem Taxi lief sehr reibungslos und der Fahrer war der Besitzer der Herberge in Olveiroa, wo er mich dann mit hin nahm.

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Dort habe ich nett in der Sonne gesessen, alleine (das erste mal seit 5 Wochen!) im Schlafsaal ein Nickerchen gemacht und Yoga gemacht (trotz riesiger Lust weiter zu laufen habe ich dabei gemerkt, dass es wohl eine richtige Scheiß-Idee wäre). Das Örtchen war sehr klein und wenig schön, hatte aber eine Hotel-Bar, die echt nett aussah.
Anja kam auch schon früh an und wir begannen bald zu kochen. Auf die Frage, was ich an meinem Geburtstag möchte, kochen oder essen gehen, war mir die Antwort sehr klar: Luxus ist eindeutig selbst kochen. Es war unglaublich lecker und wir haben draußen gegessen und Wein getrunken. Im Herbergen-Restaurant gab es noch Milchreis und Kuchen zum Nachtisch und in der Hotelbar einen Absacker. Schön war es mit dir, liebe Anja <3 Wir trafen noch den Franzosen wieder, den wir bei der Compostela-Vergabe kehren gelernt hatten ( seit 7 Jahren auf Reisen) und den Niederländer, über den wir seit La Faba immer wieder stolperten. Dann ging es auch ins Bettchen. Meine Nacht war allerdings um 4 zu Ende, mir fehlte wohl das auspowern. 😉

30: Santiago –> Negreira

Die Wanderung aus Santiago heraus war bis zur Mittagspause echt toll. Wir haben noch einen Abschiedskaffee mit Reinhold und Julia getrunken und musstem uns dann leider endgültig Lebewohl sagen. Von Jenny und Tina hatten wir uns bereits am Vorabend verabschiedet.
So toll am Herauslaufen aus Santiago war das richtige alltagsLEBEN. Vorher wirkten die Orte so tot und jun liefen wir an hordenweise Eltern mit Schulkindern an der Hand vorbei. Außerdem war der Weg aus der Stadt unglaublich schnell vorbei und suddenly we were in the middle of nowhere. Sorry, to many people around me are speaking in English, so I’m to confused to write in German right now. Please excuse my bad english.
So, jetzt geht es wieder auf deutsch. Es gab super viele kleine nette Örtchen, die auch in sich sehr unterschiedlich waren. Außerdem war es so unglaublich ruhig! Keine Pilgerameisenstraße, ein Träumchen. Auch sehr erfreulich für uns: Die Deppenpilger, die vor Santiago fast aus jedem Stein die Blechschilder mit den Kilometerangaben gekloppt und diese geklaut hatten, schienen in Santiago auf der Strecke geblieben zu sein. Auch das Mädel, das jeden Stein mit „Julius“ verziert hatte, war nicht über Santiago hinaus gekommen. Sowas ist echt bescheuert. Aber gut, wer möchte sich zuhause nicht gerne ein Blechschild mit 18,347km an die Wand hängen??
Naja, jedenfalls genossen wir die Ruhe. Man traf nur noch wenige bekannte Gesichter und in den Herbergen viele Leute, die den Camino Portuges oder Norte gemacht haben, denn in Santiago laufen diese ja alle zusammen. Wir hattdn eine idyllische Lunchpause, in der ich aber schon bemerkte, dass meine Füße sehr weh taten. Also warf ich nochmal Ibus ein. Als es danach aber null (!) besser, sondern nur schlimmer wurde, wusste ich innerlich eigentlich schon, dass für mich der Rest gelaufen war. Also habe ich mal ein Ründchen telefoniert um das nochmal auszubaldowern (Danke, hab dich lieb <3) und die letzten Meter bis Negreira zu kommen, dass auch nur knapp 21 km hinter Santiago war. Ursprünglich hatten wir auch mal über 33 km nachgedacht. Anja erwartete mich dort und wir suchten uns eine Herberge mit Garten. Dort genossen wir den Sonnenschein, aßen Salat mit Hühnchen und plauderten mit zwei portugiesischen Mädels. Außerdem diskutierte ich meine Busmöglichkeiten mit der sehr netten Hospitalera. Diese waren allerdings irgendwo zwischen beschissen und nicht existent angesiedelt, zumindest für unseren Plan. Als ich zum hundertsten Mal blöd nachfragte, schob sie mir ein wenig verstohlen die Nummer vom Gepäcktaxi zu und erklärte mir, dass der Fahrer mich mitnehmen könne. Also rief ich dort an und hoffte, dass sie Zusage verbindlich war (Spanien und so...). Wir hatten Betten am Fenster, es war die ganze Nacht offen, ein Traum. img_20161020_090513

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29: Monte del Gozo –> Santiago de Compostela

Die Nacht war bescheiden, die beiden unsympathischen älteren Französinnen in unserem Zimmer haben uns eine lustige Mischung aus überhitzter Luft, Hustenanfällen und Schnarchen beschert. Dementsprechend war ich noch sehr, sehr tief im Träumeland, als Anja mich weckte. Der Gedanke, bald anzukommen, ließ mich dann aber doch aufstehen. Nach einem flotten Frühstück ohne Kaffee ging es dann im Dunkeln los, denn der Plan war, mit der aufgehenden Sonne in Santiago anzukommen.
Das reinlaufen nach Santiago war wie meistens nicht besonders schön, aber dadurch, dass wir frisch und ausgeruht waren, machte uns das gar nichts. Wir haben es nicht bereut, noch eine Nacht Legehenne gewesen zu sein. Die riesige Herberge in Monte del Gozo war übrigens echt etwas gruselig, es waren ca. 30 Betonbauten, von denen lediglich in einem Haus einige Betten belegt waren. Wenn man durch den Wohnpark lief hatte das schon ein wenig KZ-Feeling.
Naja, auf dem Weg nach Santiago legten wir dann noch ein schnelles Kaffeepäuschen ein, auf Anjas Wunsch in einem typisch spanisch aussehenden Café.

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Auf dem Weg zur Kathedrale entdeckten wir dann mitten in der Innenstadt die hübsche Herberge mit dem passenden Namen „The last Stamp“, wo wir kurzerhand ein Zimmer reservierten, auch wenn es 18€ p.P. kostete, weil wir es auf Anhieb toll fanden.
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Natürlich nahmen wir die Rucksäcke trotz Lagermöglichkeit nochmal mit, denn immerhin mussten wir ja auch wirklich do ankommen, wie wir den ganzen Weg gepilgert sind.
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Als wir die Treppe zur Kathedrale runterstiegen, fingen genau in diesem Moment die Glocken an zu läuten. Das war ein bombasticher Empfang. Einer der vielen, vielen „Zufälle“, die der Camino bereit hält. Nach diesem Weg ist es schwer, noch an Zufälle zu glauben.
Ein weiterer war, dass Reinhold und Julia schon wieder (!) in unserer Herberge gelandet sind.
Nach einer Fotosession vor der Kathedrale, bei dem ich diese hübsche Bild vom Bein eines netten Italieners ergattert habe. Um die Personen UND die Kathedrale ganz drauf zu bekommen, muss man sich nämlich auf dem Rücken auf den Boden legen, was ich dann später auch noch getestet habe 😉

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Nach der Fotosession gingen wir unsere Compostela holen, die Pilgerurkunde.
Wie am Amt, sag ich euch.

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Das gute Stück liegt in einer Papprolle in meinem Rucksack ganz unten, daher gibt es leider kein Foto.

Danach gingen wir nett frühstücken, ganz dreist mit eigenem Essen in einem Café, weil es unmöglich war, draußen einen netten Platz zu finden. Da verliert man aber eh nach einer Weile jede Scheu, man bestellt einfach einen Kaffee dazu und futtert, was der Rucksack hergibt. Diesmal haben wir uns aber um ein wenig Diskretion bemüht.

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Danach ging es um 12 Uhr in die Pilgermesse. Um genau zu sein, waren wir schon um halb 12 da, um noch einen Platz zu bekommen. Haha! Da standen schon die Hälfte der Leute. Wir suchten uns einen netten Stehplatz in einem Seitenflügel ziemlich weit vorne, was aber gut auzuhalten war, weil die Messe tatsächlich ziemlich kurz war. Die Nicht-Kirchgänger sahen das natürlich anders XD. Jedenfalls war die Messe nahezu komplett auf spanisch, was ziemlich witzig war, denn die gesammelte koreanische Mannschaft versuchte den Schein zu wahren und bewegte passend zu den spanischen Phrasen der Liturgie den Mund. Und wir haten Glück, das Weihrauchfass wurde geschwungen, das gibt es nur sonntags, zu besonderen Gelegenheiten und gegen 450€ Spende. Es war auf jeden Fall unglaublich beeindruckend. Man hatte nur ein wenig Angst, dass das Seil reißen könnte.

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Sehr schön war für uns auch, dass Reinhold als Priester die Messe mit zelebrierte, weil man dadurch doch etwas mehr Bezug hatte, denn von dem spanischen Gelaber verstand man fast nichts. Eine Fürbitte von ihm gab es dann sogar auf deutsch.
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Nach der Pilgermesse trafen wir Reinhold, Julia, Jenny und Tina, tranken ein Bierchen und machten mehr Fotos.
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Wir verabredeten uns für 6 Uhr zum Essen gehen und checkten noch in die Herberge ein, bevor jeder die Zeit für sich nutzte.
Ich ging auf Herbergenpirsch für meine verbleibenden 3 Tage in Santiago vor meinem Flug und buchte direkt ein Bett.

Das Essen war sehr nett und seeeehr lecker, Tapas sind schon was feines.
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Danach ging es noch in eine Bar und dann auch irgendwann ins bett.

Ein schöner Zufall war auch, dass wir noch die Gelegenheit hatten, uns nach der Messe von Majorie und Luc zu verabschieden, und abends von Sandra, Kevin und René. Es war sowieso ziemlich witzig, durch Santiago zu laufen, denn wir mussten alle paar Meter stehen bleiben, weil wieder jemand ein bekanntes Gesicht getroffen hat. In der Herberge, die ich vorgebucht habe, traf ich Tomas wieder, der seinen zweiten Camino hintereinander beendet hat. Aber er ist langsam geworden, von 19 Tagen beim ersten Mal auf 29 Tage beim zweiten Mal XD
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Ich bin gespannt, wie viele Leute ich noch wieder treffe, wenn ich ab Montag wieder da bin 🙂

28: Arzúar –> Monte del Gozo

Wir.sind.verdammte.5(in Worten: fünf).Kilometer.vor.Santiago!!!!
Das heißt, wir machen morgen etwas, was wir seit 4 Wochen nicht mehr gemacht haben: wir laufen nur 5km mit Rucksack, nicht mehr. Könnt ihr das glauben? Wir können es nicht fassen. Man realisiert es echt kaum, morgen sind wir nach 800 km auf den eigenen Füßen endlich am Ziel, wow! Den ersten Blick auf Santiago konnten wir heute schon erhaschen:

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Die Herberge hat 500 Betten Anja verglich uns mit Hennen in einet Legebatterie, was nicht ganz falsch ist. Aber für uns fühlt es sich gut und richtig an, morgen in Ruhe anzukommen, nicht gehetzt nach einem 38 km Tag auf der Suche nach Herbergen. Auch wenn wir das wohl beide heute noch geschafft hätten.
Liebe Oma, morgen habe ich mir meine Jakobsmuschel verdient 🙂
Heute war ein guter Tag, und ich freue mich jetzt wieder darauf, noch nach Finisterre zu laufen.
Es fing damit an, dass ich nach dem Frühstück versehentlich zwei 600er Ibus schluckte statt zwei 400er. Aber alles was drin bleibt, ist bekanntlich die richtige Dosis.
Aber – ich war den ganzen Tag schmerzfrei 🙂
Anja und Reinhold habe ich vorgeschickt und ganz in Ruhe gepackt, Kevin und Katja schliefen noch.
Ich lief im Dunkeln mit Kopflampe los, um kurze Zeit später hastige Schritte hinter mir zu hören. Etwas irritiert drehte ich mich um, um eine ältere spanische Dame zu erblicken, die mich prompt natürlich fragte ob ich Spanisch spräche. Als ich das zu verneinte, gab sie mir mit Händen und Füßen zu verstehen, dass sie mir gern folgen würde, weil sie keine Lampe hätte.
Daraufhin haben wir uns ungelogen anderthalb Stunden auf spanisch unterhalten, was schon ziemlich witzig ist, wenn man weiß, wie wenig spanisch ich spreche. Wir haben zusammen den Sonnenaufgang bewundert, festgestellt, dass der Riesenstern wohl doch ein Flugzeug ist und über Gott und die Welt geredet. Und das ohne gemeinsame Sprachebene, schon erstaunlich.
Irgendwann zog ich alleine weiter. Es war echt eine nette Wanderung, ich habe es genossen, mein Tempo zu gehen und im Wald herumzulaufem.
Die Sonne schien auch wieder, endlich! Deshalb konnte ich in der Sonne essen, das war echt total nett.
Auf einem Foto sieht man mich mit Filipo aus Kolumbien, der mir ein Armband mit Engelchen geschenkt hat und mit mir nach Deutschland auswandern wollte. Wisst ihr Bescheid.
Beim zweiten Essen traf ich dann Katja wieder, wir gingen eine Weile zusammen. In Monte de Gozo traf ich Anja dann wieder, die natürlich kochte, während ich duschen war.
Jetzt wissen wir nicht mehr so ganz, was wir tun sollen, aber wir werden schon was finden.
Gehabt euch wohl und denkt morgen an mich 🙂
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27: Palais de Rei –> Arzúar

38 km bis Santiago. Ich bereite mich gerade mental auf 35 km morgen vor, denn wir wollen bis Monte de Gozo gehen, um am Mittwoch nur noch ein paar wenige Kilometer zu haben und dann gemütlich anzukommen.
Auf den ersten Fotos seht ihr Kevins schuhe in Camino-Farben, die zu Beginn schon Löcher hatten. Er plant, die letzten 21 km in ebendiesen Schuhen zu joggen. Aber immerhin ohne Gepäck 😉
Heute sind wir langsam und gemütlich los gegangen, also gegen halb 9. Die ersten zwei Stunden regnete es, aber unsere Lunch-Pause haben wir schon wieder draußen machen können, allerdings war mir danach echt kalt, sodass ich mich in einem Café aufwärmte. Die Kilometer nach der Mittagspause lief ich mit Katja und Kevin. Langsam will man einfach nur noch ankommen und das Laufen wird irgendwie langweiliger. Schwer zu beschreiben. Aber nachdem ich heute morgen Ibuprofen eingeworfen habe, war ich immerhin schmerzfrei, was mich sehr gefreut hat. allerdings war ich den ganzen Tag so müde, dass ich den Eindruck hatte, eher zu schlafwandeln.
Zum Abendessen trafen wir auch Reinhold wieder, er wird morgen schon nach Santiago laufen.
Ich bin gespannt. Gute Nacht, Freunde!

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