10: Grañon –> Villafranca Montes de Oca

Heute Morgen haben wir nett gefrühstückt, also ich zumindest. Denn mein neues Lieblingsgepäckstück sind die 500g Haferflocken, die ich neuerdings mit mir herumtrage. Man kann sich kaum vorstellen, wie sehr man beginnt, das Baguette zu verabscheuen, denn das gibt es fast in jeder Situation und es ist immer weiß. 

Als wir um 8 endlich loskamen (Anja ist ein totaler Morgenmensch und sehr früh wach, während ich früh morgen ja gar nicht zu gebrauchen bin und die doppelte Zeit für alles brauche) genossen wir wie jeden Morgen die Morgensonne. 

Wir wussten vorher, dass die heutige Etappe entlang der Autobahn verlaufen würde. Nach einer Weile entschieden wir uns, Musik bzw. Hörbuch zu hören, denn der Straßenlärm war sehr nervig, auch wenn die Landschaft trotzdem nett war. 

Mit Musik zu laufen war ziemlich gut. Googlet doch mal Bukahara – Back home, wenn ihr das lest, dann habt ihr denn gleichen Soundtrack wie ich beim Laufen (oder gleich das ganze Album: Strange delight).  Ich finde, der Jakobsweg ist eine perfekte Form von Reisen. Man hat jeden Tag eine klare Aufgabe, die bewältigt werden will: Laufen. Das ist nicht immer einfach, aber oft auch wunderschön. Man muss nichts entscheiden, sondern einfach nur gehen. Mit den Tagen wird es leichter, der Rucksack fühlt sich so richtig an, dir Blasen spürt man nach einigen hundert Metern nicht mehr und man sieht so viel schöne Landschaft und kleine Örtchen, in denen man pausieren kann. Man entwickelt eine richtige Routine. Aufstehen, Bad, Frühstück, Packen. Loslaufen, Mittagspause. Weiter laufen, Schlafplatz suchen. Die lang ersehnte Dusche, Wäsche waschen (beten, dass diese bis zum Nächsten Tag trocken wird), Supermarkt suchen. Pause, Abendessen, dann Gespräche oder schreiben, früh ins Bett. So verläuft tatsächlich jeder Tag. 

Heute haben wir zum Mittagessen Omelett mit Käse und Schinken gegessen und für zwei Omeletts und zwei Café con Leche gerade mal 7,50 bezahlt. 

Nach der Mittagspause haben wir gesehen, wie die Paprika vor dem Einlegen flambiert werden. 

Der Nachmittag war sehr windig, was aber sehr angenehm war. 

Es ist wirklich erstaunlich, wie gut Anja und ich harmonieren, was das Lauftempo und die Lust auf Pausen oder bestimmtes essen angeht. Wenn das du bleibt, laufen wir weiterhin zusammen. Außerdem unterhalten wir uns gern und viel 🙂 

Im Moment überlegen wir, bis Finisterre zu laufen. Da wir meistens Mittags unsere Tagesetappe laut Reiseführer oder App hinter uns haben, und dann gerne noch weiterlaufen, könnten wir das auch trotz Anjas etwas engerem Zeitplan (sie fliegt am 25.10. früh morgens von Santiago zurück) gut schaffen. Wenn die nächsten Tage alles gut läuft, planen wir bis übermorgen einen kompletten Tag aufgeholt zu haben. Wir haben beide keine große Lust, die Nacht im sicherlich überfüllten Burgos zu verbringen, und kurz vor Burgos sollen 8 sehr hässliche Kilometer sein. Vermutlich werden wir diese übermorgen mit dem Bus fahren, zwei-drei Stunden in Burgos zu verbringen und dann weiter zu ziehen. Auch wenn die Busfahrt etwas gegen unseren Ehrgeiz geht. Wir hören tatsächlich öfter Sätze wie „You are fast walkers“ oder „you are strong Ladies“.

Heute sind wir wieder ein gutes Stück mit Debbie gegangen, was immer wieder sehr interessant ist. Gegen sie sind wir fats langsam. Beeindruckt hat uns auch Thomas, der den Camino gerade zum zweiten Mal nacheinander geht, beim ersten Mal hat er seinen Pilgerausweis verloren. Aber nur 19 Tage gebraucht. Für knapp 800 Kilometer!!!!!

Reizvoll am Camino ist auch die Vielfalt der Leute. Bildlich gesprochen ist vom Tellerwäscher bis zum Millionär alles dabei. Und um ehrlich zu sein, bin ich mit bei beidem sehr sicher, dass das nicht nur ein Bild ist. Aber hier sind alle gleich, schlafen in den selben großen Schlafsäälen, stinken und jammern über Wehwehchen. Das ewige Wäsche waschen. die Sehnsucht nach vernünftigem Essen. Und die Sonne, die nur von einer Seite scheint. Meine Schokoladenseite, wenn ich nach Hause komme, wird die linke sein. Warum wandert man auch im Herbst gen Westen?

Unsere Herberge heute Abend ist wieder besonders, denn wir befinden uns auf der Rückseite von einem sehr schicken Hotel aus dem 14. Jahrhundert. 5€ zahlt man hier für eine Nacht und für 12€ kann man ein Pilgermenü im Hotelrestaurant dazu buchen. Ich kann euch nicht beschreiben, wie gut die Speisenauswahl für uns gerade klingt, ich hoffe es wird auch gleich so gut, wie wir uns das vorstellen. 

9: Nàjera–> Grañon

So morgenmuffelig ich auch bin, der Sonnenaufgang und das Morgenlicht sind wirklich sehr, sehr schön.


Es war schon zu erahnen, dass es heute sehr heiß werden würde, gegen Nachmittag haben wir auch die 29° gesehen.

In Santodomingo, also nach etwa 22 Kilometern haben Anja und ich in unserer Mittagspause entschieden, dass wir weiter laufen bis Grañon, also nochmal 7 Kilometer.

 Diese Entscheidung war super, denn das Örtchen war viel kleiner als Santodomingo und wirklich süß. Und wir haben eine unglaublich tolle Herberge gefunden, zu der im Reiseführer stand, dass alles aus recyceltem Material besteht. Sie ist auf Spendenbasis und wirklich gemütlich, und wir haben ein Abendessen gekocht bekommen, dass aus Salat und Linsensuppe bestand, was uns sehr gefreut hat. 

8: Logroño –> Nàjera

Ein langer, sehr schöner Tag mit vielen Menschen und wenig Ruhephasen liegt hinter mir. Die Fakten: 30km+x.

Gestern Abend trafen wir in der Tapasbar neben einem Haufen anderer Pilger auch Lena wieder, was sehr schön war, da wir uns verabschieden konnten, bevor sie heute abreiste. Die Tapas waren unglaublich lecker. Auf dem Rückweg habe ich tatsächlich auch meine erste Kathedrale für den Jakobsweg von innen gesehen. 
Heute morgen haben Anja und ich uns von Philip verabschiedet, der leider heute zurück nach Deutschland geflogen ist. Anja und ich sind zusammen gelaufen und haben uns viel unterhalten, was sehr schön war.

Morgens beim Frühstück habe ich eine Nachricht von Caro bekommen, dass meine lieben Mitbewohner mir auch einen Blog eingerichtet haben, der mich auf dem Laufenden hält, was Zuhause vor sich geht. Diesen habe ich mir als Belohnung für den Abend aufgespart und mich soo sehr gefreut, als ich die Bilder gesehen habe.  Ich vermisse euch, ihr Lieben! 

Insgesamt lief das Laufen heute gut und flüssig. Wir haben vor dem Mittagessen um 12:00 Uhr bereits 19 km hinter uns gelassen und hatten ein gefühltes Festmahl in Ventosa, bestehend aus baguette, Käse, Oliven und Gürkchen vom Markt. Hatte ich schon erwähnt, wie unglaublich gut alles schmeckt, wenn man so lange gelaufen ist?

Auf dem Weg trafen wir Debbie wieder und in der Mittagspause Ana aus Brasilien. 

Nach dem Mittagessen wurde es etwas abenteuerlich, denn wir haben wohl einen Pfeil verpasst und uns verlaufen. Das ganze endete so, dass Anja und ich irgendwann mitten im Wald standen und nicht mal mehr einen Weg sehen könnten. Dafür allerdings Knochen von toten Tieren und jede Menge dornenbüsche. Nach einer Weile haben wir den Weg zum Glück wieder gefunden und sind dann einen kleinen Umweg nach Nàjera gelaufen. Die letzten 3 km waren daher nicht so schön, da wir die Straße entlang laufen mussten. 

Völlig geschafft (ich hatte Probleme mit der Achillessehne und Halsschmerzen und Anja hat die Sonne zu schaffen gemacht) sind wir am Ende in der öffentlichen Herberge gelandet. Die größte, in der ich bisher geschlafen habe. Hier haben wir dann noch gekocht, weil wir beide soo Schmacht nach Gemüse hatten und es war auch unglaublich lecker. Es war ein geselliges Treiben, es haben sich inzwischen mehrere größere Grüppchen gebildet und es war ein bunter und lustiger Abend. Das ist zum Beispiel Kiki, sie reist seit 4 Jahren und Hat auch vor, ihr ganzes Leben lang zu reisen.

Jetzt liege ich in einem überhitzten Schlafsaal mit 60 Mann, es stinkt wie immer sehr und das Schnarchkonzert geht los. Genießt eure Betten, ihr Lieben! Gute Nacht! 

Leider ist das WLAN schon wieder mies, ich hoffe, die Fotos folgen bald! 

7: Sansol –> Logroño

Eine Woche wandern liegt hinter mir! Und es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis wir die 200 km knacken, also ein Viertel des Weges. Heute hatten wir knapp 21 km, der erste Teil war sehr nett zu laufen, der zweite eher nicht so, denn er führte durch ein Industriegebiet. 

Die Morgensonne stand wunderschön, die Atmosphäre war wirklich toll.

Gegen Mittag pausierten wir kurz auf halber Strecke, da es heute nicht so warm war, zogen wir aber schnell weiter. Bisher haben wir sooo viel Glück mit dem Wetter, dass man es kaum fassen kann. Hoffentlich bleibt es so, toi toi toi.

Kurz vor Logroño holten wir uns noch einen Stempel bei einer weiteren Weg-Bekanntschaft, die das Erbe ihrer Mutter weiter führte, die bis zu ihrem 92. Lebensjahr, als sie verstarb, Stempel verteilte. Sie war sehr erfreut, dass wir auch schon bei Pablito waren.

Logroño an sich ist ok, aber nicht wirklich hübsch. Ebenso ist es mit unserer Herberge. Während ich Pamplona ohne Einschränkungen empfehlen kann, kann man sich Logroño in meinen Augen auch sparen. Nachher werden wir noch Tapas essen und dann geht es ab in die Falle, denn morgen liegen fast 30 km vor uns, die auch immerhin 300 Höhenmeter enthalten. Diese aber zum Glück ziemlich gleichmäßig. Mal sehen wie das wird. 🙂 

6: Estella –> Sansol

27 teilweise durch eine krasse Mittagshitze geprägte Kilometer liegen hinter uns. Wir wussten vorher, dass der Tag anstrengend wird und haben in der Herberge gut gefrühstückt und uns im Supermarkt mit Obst, Joghurt und Baguette eingedeckt.        Den ersten Teil des Tages war es noch bedeckt, was sehr angenehm war. Später wurde es nämlich noch richtig heiß. Ich habe keine Vorstellung davon, wie man dem Camino im Hochsommer gehen kann. Die Strecke ging heute öfter entlang der Straße, aber die Landschaft war sehr malerisch. oder wie Philip es treffend zusammenfasste: Hier sieht es aus wie auf einem riesigen Die-Siedler-von-Catan-Spielbrett. Bis auf die üblichen Pausen (nach etwa 10 Minuten: Oh, es ist trotz der morgendlichen 12 Grad zu warm im Pulli, gegen 10-11 eincremen, später Sonnenbrille und Hut aufsetzen, Wasser nachfüllen, pinkeln, Gummiaufsätze auf die Wanderstöcke aufsetzen und abziehen – ihr wärd erstaunt, was davon alles geht ohne den Rucksack abzusetzen), sind wir tatsächlich 20 km bis Los Arcos durchgelaufen. In Azqueta pausierten wir kurz, da Ana aus Brasilien uns Pablito vorstellte, der auf dem Camino so berühmt ist, dass er in jedem Reiseführer erwähnt wird. Er hat wohl 30.000 Wanderstöcke für Pilger gefertigt. Von ihm holten wir uns noch seinen eigenen Stempel für den Pilgerausweis.        Los Arcos war ein sehr nettes Örtchen, in dem die meisten Pilger übernachtet haben. Leider waren wir zu müde, um Fotos zu machen. Wir hatten allerdings im Vorhinein entschieden, heute weiter zu gehen, damit wir morgen „nur“ 20 km laufen müssen. Und so rafften wir uns nach einem Mittagssnack nochmal auf, und schleppten unsere müden Glieder weiter. Nach etwa 500 Metern hatte man sich wieder  an die Schmerzen gewöhnt. Es ist interessant, wie gut man lernt, mit diesen regelmäßigen, gleichmäßigen Schmerzen umzugehen. Allerdings kann man wirklich sagen, dass wir im Vergleich noch sehr gut dran sind.  Als wir allerdings kurz vor Sansol waren, und es wirklich langsam sehr quälend wurde, zu gehen, waren wir sehr geschockt, denn Google Maps zeigte unsere Unterkunft (wir hatten reserviert) eine Stunde ab vom Weg an. Normalerweise liegen die Pilgerherbergen direkt am Weg. So entschieden wir frustriert und müde, einfach ins Blaue hinein dem Camino zu folgen und zu hoffen, dass wir eine Unterkunft finden. Für diesen Umweg hatten wir einfach meine Energie mehr. Lustigerweise landeten wir dennoch in genau der Herberge, in der wir reserviert hatten.  Ich glaube so froh wie heute waren wir noch nie, als wir endlich da waren.           „Straßenmusikanten“  

           

Die Herberge ist klein und gemütlich, mit einem großen Schlafsaal (28 Mann) unter dem Dach und einem schönen Garten.              Als wir ankamen, winkte Anja uns schon erfreut zu. Li kam auch später dazu uns wir aßen noch mit zwei anderen Deutschen und Ken, einem in New York lebenden gebürtigen Chinesen. Ein schöner Abend! 🙂  

5: Puente la Reina–> Est(r)ella ;)

Etwas mehr als 21 km haben wir heute bewältigt. Die kurze Nacht in Pamplona hing mir noch in den Knochen, sodass ich tatsächlich weder mitbekommen habe, wie das Licht – noch wie es ausgegangen ist. Als ich um kurz nach 6 aufwachte, waren einige schon fast fertig mit dem Packen. 

Wir gingen also im Dunkeln los und hielten nur kurz an einer Bäckerei für ein schnelles Frühstück. Guten Morgen, Puente la Reina!

Bis auf eine kurze Pause in einer zweiten Bäckerei (da Sonntag war, hatten die Supermärkte geschlossen)  sind wir ziemlich straff durchgelaufen. Das Wetter war heute etwas milder und windiger, aber sehr schön zum laufen. 

Die letzten Meter waren heute sehr hart, ich habe meine Knochen, die Blasen an den Füßen und meine Müdigkeit gespürt. Beim Essen konnte ich mich kaum mehr bewegen und in der Herberge bin ich fast auf der Toilette eingeschlafen. Wir bleiben heute Abend in der Herberge und gehen früh schlafen. 

4: Pamplona –> Puente la Reina

Ein sehr schöner, wenn auch teilweise durch Müdigkeit geprägter Tag liegt hinter uns. 

Das Aufstehen fiel nicht leicht, da wir in unserem Sieben-Bett-Zimmer einen Mann hatten, der bis halb 2 noch bei Licht für eine Prüfung gelernt hat. Dabei gab es ein großes Wohnzimmer. Da schläft aber anscheinend nur das Personal, tagsüber.

Gestern habe ich 1.2 kg Gepäck zurück nach Siegen geschickt. Das war ein grandioses Erlebnis, da keiner der Postbeamten Englisch sprach geschweige denn Ahnung von Zollvorschriften etc. hatte. Nach 20 Minuten mit Händen und Füßen war ich dann 23€ ärmer. 

So fing der Tag schon gut an, denn endlich hatte ich das Gefühl, mein Gepäck auch wirklich zu tragen und nicht, darunter zu leiden. Vom Hostel mussten wir den Camino wiederfinden, doch wir hätten vermutlich auch mit geschlossenen Augen zufällig irgendwo hinlaufen können, denn wirklich, sobald wir auch nur einen Hauch überlegend auassahen, kam ein freundlicher Spanier des Weges, fragte „Santagio?“ und erklärte bzw. zeigte uns den Weg. 

Wir hatten den ersten Teil des Tages einen Aufstieg von etwa 300 Höhenmetern und den Rest der Zeit ging es bergab oder gerade aus. wir hatten fast 30° und fast strahlend blauen Himmel.

Und natürlich habe ich den obligatorischen Gipfel-Kopfstand versucht. 

Unterhalten habe ich mich heute mit Vanessa aus Mexiko, Rob aus den Niederlanden, Sophie und Isabelle aus Dresden und zwei Iren, deren Namen ich nicht mehr weiß.

Angekommen in Puente la Reina haben wir erst einmal die privaten Unterkünfte abgeklappert, um dann doch in der öffentlichen zu stranden. 5€ für ein Bett, da kann man doch nichts sagen. Heute in 14-Mann-Schlafsäälen und wie üblich mit Schlange stehen am Eingang. 

Hier haben wir auch Andrea wiedergetroffen, die lustige in Texas lebende Brasilianerin, die mir auch erlaubt hat, ein Foto zu posten. „I may look a little weird, but that’s the real Camino“

Außerdem die beiden Kroatinnen, Martina und Marlena, mit der wir bereits die dritte Nacht in einer Unterkunft verbringen und mit denen wir in Romcesvalles schon einen lustigen Wäsche-Wasch-Marathon durchliefen. Heute dann wieder: gemeinsames Wäscheaufhängen.

Insgesamt fällt auf, dass inzwischen viele Leute sehr stark humpeln, über Medikamente reden und kaum jemand nicht erwähnt, dass er Knieprobleme hat. Manche können sich allerdings wirklich kaum noch bewegen. Da kann ich mich mit meiner Blase am Fuß und ein paar blauen Flecken kaum beschweren.

Auch der Sprachenmix geht immer mehr in Fleisch und Blut über, Philip und ich hatten heute tatsächlich versehentlich einen spanisch-englischen Dialog.

Abends waren wir so müde, dass wir entschieden, essen zu gehen. Das taten wir dann auch an einem unscheinbaren Ort ob einem netten spanischen Gässchen. 

Allerdings wurde es um uns herum plötzlich hektisch, eine Familie holte ihre Möbel rein (um halb 6, da fängt das Leben in Spanien ja eigentlich erst an), fing an große Stahlstangen zu montieren und erklärte uns wir müssten gehen. Weil hier gleich Bullen durchrennen würden, „Fiesta“. 

Nachdem wir es erst kaum glauben könnten, haben wir uns rein begeben, da wir gerade erst bestellt hatten, wo sich das Restaurant als Hotel und durchaus groß und hübsch entpuppte. Die Bedienungen holten hektisch die Möbel herein und verbarrikadierten die komplette Fensterfront mit schweren Holztüren. 

Das Essen war Wahnsinnig lecker, was aber auch an Hunger und Müdigkeit gelegen haben kann. Kurz vor dem verbarrikadieren schneite Li noch herein, die ein Zimmer in dem Hotel gebucht hat und sich nach einer Dusche noch zu uns gesellte. 

Nachdem wir uns eine Weile sehr nett unterhalten hatten, haben wir auch herausgefunden, dass es einen Hinterausgang gab, wir also gar nicht festsaßen. Also haben wir uns noch kurz das Bullenrennen angesehen, was für uns erschreckt war. Solch eine Tierquälerei, nur damit die Dorfjugend einen Kick bekommt. Es stehen wirklich etliche Teenager und der Bulle wird gereizt, bis er auf sie zu rennt und sie den Zaun hochklettern. Fraglich ist auch, was passiert, wenn mal jemand stolpert. 

Gute Nacht, Puente la Reina! 

3: Larrasoaña–> Pamplona 

Heute hatten wir nur 16 km vor uns und gingen nach einem entspannten Frühstück gegen halb 8 los. Obwohl der Weg so kurz war, war ich müde und nicht in der besten Tagesform.

 Gegen Mittag erreichten wir dann schon Pamplona, eine sehr hübsche Stadt mit typisch spanischen Öffnungszeiten.

Anja und Li hatten am Vortag ein Hostel empfohlen, dass wir dann auch aufsuchten. Schon wieder Luxus!

Kurioserweise fühlte ich mich plötzlich sehr heimisch im Wohnzimmer des Hostels. 

Aber ein bisschen Hilfe bei der Frage, welches Bier ich heute Abend trinke, könnte ich schon aus der Heimat gebrauchen. Naaa, Jungs??

Die Gässchen in Pamplona sind eins schöner als das andere.

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Als guter Pilger auch das obligatorische Kathedralen-Foto

2: Roncesvalles  –> Larrasoaña 

Die heutige Wanderung war entspannter. Wir sind 21.7 km bis zum Etappenziel laut Camino-App gelaufen und waren tatsächlich schon gegen kurz nach halb 2 da. Vorher hatten wir schon gehofft, dass wir noch 5,7 km bis Larrasoaña anhängen können, haben uns aber wirklich gefreut, dass das problemlos ging. Das Wetter war wieder traumhaft schön.

Gestern lernten wir schon Anja und Li kennen, denen wir heute immer wieder über den Weg liefen. Da wir in Larrasoaña angekommen schon den ersten Pilgern begegneten, die keine Unterkunft mehr bekamen, fragten wir in einem privaten Hostel nach, was sich als echter Glücksgriff erwies. Zwar bleibt für mich nur meine Therma-Rest, dafür musste ich nur 10€ bezahlen und wir haben eine eigene Küche und ein luxuriöses Bad zu siebt. 

Die Supermärkte waren heute ein kleines Highlight, kurz hinter Roncesvalles pfiff ein runder Spanier laut die klassische Musik mit, die den gesamten Laden beschallte und grüßte in sämtlichen Sprachen. Beim Einkauf fürs Abendessen wurde es noch schöner: nachdem wir mit dem Verkäufer Wein getrunken hatten und er seine Angela-Merkel-Imitation zum besten gegeben hatte, mixte er uns Olivenöl mit Kräutern für die Nudeln, die wir gekauft hatten in einen Becher auf die Hand. 

Insgesamt waren bisher ausnahmslos alle Leute, auch die Einheimischen derartig nett, dass man es kaum glauben kann.

Heute hatten wir einen sehr schönen Abend mit Anja, Li, Debbie und Lena. 

Anja kommt aus Aachen, Li wohnt in Peking, Debbie in Houston und Lena in Bremen. Eine lustige Truppe 🙂

P.s.: Leider ist das WLAN außerhalb der Pyrenäen oft so schlecht, dass es schwierig ist, Fotos und Beiträge online zu stellen. Deshalb sind an einigen Stellen Lücken oder die Texte sind noch überarbeitunswürdig 😉 außerdem gibt es so viel zu sehen… 

„Death on the Camino“ – The film

… Teaser für Eltern und andere Besorgte: keine Angst, es ist alles gut. 😉

Zeitsprung zurück zur Route  Paris  –  Saint-Jean-Pied-de-Port:  Den Vormittag über sind wir nach einer ruhigen Nacht und einem schlichten Frühstück wieder durch Paris gelaufen, diesmal bis zum Notre Dame und dann zurück zum Gare Montparnasse. 

Auf dem Weg sind wir über einen Friedhof in Montparnasse gelaufen, der eng und gedrängt war, aber mit üppigen Urnengräbern bestückt, in denen ganze Familienzüge vom 19. Jahrhundert bis heute beigesetzt waren. 

Danach sind wir noch durch den Jardin den Luxembourg geschlendert, haben etlichen joggenden Schülern zugeschaut und uns gewundert, dass die zahllosen Stühle tatsächlich dort stehen bleiben und nur von Besuchern genutzt werden.

Ein bisschen merkwürdig ist es schon, zu merken, wie viel Militär und Polizei in der Stadt unterwegs ist. Bemerkt haben wir das auch schon am Abend vorher, als uns mit großem Rucksack der Zutritt zum Eiffelturm schlichtweg verweigert wurde (bevor wir wussten, wie viel Eintritt das kostet).

Am Notre Dame angekommen blieb und kaum noch Zeit, sodass wir zügig zurück zum Bahnhof Montparnasse liefen. 

Die Zufahrt zog sich deutlich länger als der erste Teil. In Bayonne angekommen sah man endlich Rucksäcke und wusste, dass man etliche von ihnen wieder sehen wird. 

Als wir dann Saint-Jean-Pied-de-Port erreichten, konnten wir es kaum glauben. Der Kontrast zum lauten, schmutzigen Paris war aber auch riesig.

Die erste der lustige Begegnung hatten wir beim Abendessen mit Nathalie aus Liverpool, die im teuren Hotel neben dem Restaurant „one last night of luxury“ gebucht und bezahlt hatte, dort aber niemand anzutreffen und alles dunkel war. Sie malte sich darauf hin ein Horror-Szenario aus und hatte ein bisschen Panik, zurück zum Hotel zu gehen. Typisch britischer Humor: „I asked in the Restaurant, but they didn’t understand me. So I just said Beer. Now I’m waiting if somebodys coming.“
 Wir haben sie seither übrigens nicht mehr gesehen…. Aber immerhin unser ersten „buen Camino“-Gruß hinterlassen;)

Hier sahen wir Nathalie zuletzt. Mysterious things are going on 😉