4: Pamplona –> Puente la Reina

Ein sehr schöner, wenn auch teilweise durch Müdigkeit geprägter Tag liegt hinter uns. 

Das Aufstehen fiel nicht leicht, da wir in unserem Sieben-Bett-Zimmer einen Mann hatten, der bis halb 2 noch bei Licht für eine Prüfung gelernt hat. Dabei gab es ein großes Wohnzimmer. Da schläft aber anscheinend nur das Personal, tagsüber.

Gestern habe ich 1.2 kg Gepäck zurück nach Siegen geschickt. Das war ein grandioses Erlebnis, da keiner der Postbeamten Englisch sprach geschweige denn Ahnung von Zollvorschriften etc. hatte. Nach 20 Minuten mit Händen und Füßen war ich dann 23€ ärmer. 

So fing der Tag schon gut an, denn endlich hatte ich das Gefühl, mein Gepäck auch wirklich zu tragen und nicht, darunter zu leiden. Vom Hostel mussten wir den Camino wiederfinden, doch wir hätten vermutlich auch mit geschlossenen Augen zufällig irgendwo hinlaufen können, denn wirklich, sobald wir auch nur einen Hauch überlegend auassahen, kam ein freundlicher Spanier des Weges, fragte „Santagio?“ und erklärte bzw. zeigte uns den Weg. 

Wir hatten den ersten Teil des Tages einen Aufstieg von etwa 300 Höhenmetern und den Rest der Zeit ging es bergab oder gerade aus. wir hatten fast 30° und fast strahlend blauen Himmel.

Und natürlich habe ich den obligatorischen Gipfel-Kopfstand versucht. 

Unterhalten habe ich mich heute mit Vanessa aus Mexiko, Rob aus den Niederlanden, Sophie und Isabelle aus Dresden und zwei Iren, deren Namen ich nicht mehr weiß.

Angekommen in Puente la Reina haben wir erst einmal die privaten Unterkünfte abgeklappert, um dann doch in der öffentlichen zu stranden. 5€ für ein Bett, da kann man doch nichts sagen. Heute in 14-Mann-Schlafsäälen und wie üblich mit Schlange stehen am Eingang. 

Hier haben wir auch Andrea wiedergetroffen, die lustige in Texas lebende Brasilianerin, die mir auch erlaubt hat, ein Foto zu posten. „I may look a little weird, but that’s the real Camino“

Außerdem die beiden Kroatinnen, Martina und Marlena, mit der wir bereits die dritte Nacht in einer Unterkunft verbringen und mit denen wir in Romcesvalles schon einen lustigen Wäsche-Wasch-Marathon durchliefen. Heute dann wieder: gemeinsames Wäscheaufhängen.

Insgesamt fällt auf, dass inzwischen viele Leute sehr stark humpeln, über Medikamente reden und kaum jemand nicht erwähnt, dass er Knieprobleme hat. Manche können sich allerdings wirklich kaum noch bewegen. Da kann ich mich mit meiner Blase am Fuß und ein paar blauen Flecken kaum beschweren.

Auch der Sprachenmix geht immer mehr in Fleisch und Blut über, Philip und ich hatten heute tatsächlich versehentlich einen spanisch-englischen Dialog.

Abends waren wir so müde, dass wir entschieden, essen zu gehen. Das taten wir dann auch an einem unscheinbaren Ort ob einem netten spanischen Gässchen. 

Allerdings wurde es um uns herum plötzlich hektisch, eine Familie holte ihre Möbel rein (um halb 6, da fängt das Leben in Spanien ja eigentlich erst an), fing an große Stahlstangen zu montieren und erklärte uns wir müssten gehen. Weil hier gleich Bullen durchrennen würden, „Fiesta“. 

Nachdem wir es erst kaum glauben könnten, haben wir uns rein begeben, da wir gerade erst bestellt hatten, wo sich das Restaurant als Hotel und durchaus groß und hübsch entpuppte. Die Bedienungen holten hektisch die Möbel herein und verbarrikadierten die komplette Fensterfront mit schweren Holztüren. 

Das Essen war Wahnsinnig lecker, was aber auch an Hunger und Müdigkeit gelegen haben kann. Kurz vor dem verbarrikadieren schneite Li noch herein, die ein Zimmer in dem Hotel gebucht hat und sich nach einer Dusche noch zu uns gesellte. 

Nachdem wir uns eine Weile sehr nett unterhalten hatten, haben wir auch herausgefunden, dass es einen Hinterausgang gab, wir also gar nicht festsaßen. Also haben wir uns noch kurz das Bullenrennen angesehen, was für uns erschreckt war. Solch eine Tierquälerei, nur damit die Dorfjugend einen Kick bekommt. Es stehen wirklich etliche Teenager und der Bulle wird gereizt, bis er auf sie zu rennt und sie den Zaun hochklettern. Fraglich ist auch, was passiert, wenn mal jemand stolpert. 

Gute Nacht, Puente la Reina! 

2 Antworten auf „4: Pamplona –> Puente la Reina“

    1. Haha sehr gut 😀
      An den gewöhnt man sich tatsächlich nach einer Weile. Meine Schultern tun auch kaum noch weh 😉 und heute gehen sogar die Füße. Liebe Grüße nach Hause, auch an Papa! 🙂

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