10: Grañon –> Villafranca Montes de Oca

Heute Morgen haben wir nett gefrühstückt, also ich zumindest. Denn mein neues Lieblingsgepäckstück sind die 500g Haferflocken, die ich neuerdings mit mir herumtrage. Man kann sich kaum vorstellen, wie sehr man beginnt, das Baguette zu verabscheuen, denn das gibt es fast in jeder Situation und es ist immer weiß. 

Als wir um 8 endlich loskamen (Anja ist ein totaler Morgenmensch und sehr früh wach, während ich früh morgen ja gar nicht zu gebrauchen bin und die doppelte Zeit für alles brauche) genossen wir wie jeden Morgen die Morgensonne. 

Wir wussten vorher, dass die heutige Etappe entlang der Autobahn verlaufen würde. Nach einer Weile entschieden wir uns, Musik bzw. Hörbuch zu hören, denn der Straßenlärm war sehr nervig, auch wenn die Landschaft trotzdem nett war. 

Mit Musik zu laufen war ziemlich gut. Googlet doch mal Bukahara – Back home, wenn ihr das lest, dann habt ihr denn gleichen Soundtrack wie ich beim Laufen (oder gleich das ganze Album: Strange delight).  Ich finde, der Jakobsweg ist eine perfekte Form von Reisen. Man hat jeden Tag eine klare Aufgabe, die bewältigt werden will: Laufen. Das ist nicht immer einfach, aber oft auch wunderschön. Man muss nichts entscheiden, sondern einfach nur gehen. Mit den Tagen wird es leichter, der Rucksack fühlt sich so richtig an, dir Blasen spürt man nach einigen hundert Metern nicht mehr und man sieht so viel schöne Landschaft und kleine Örtchen, in denen man pausieren kann. Man entwickelt eine richtige Routine. Aufstehen, Bad, Frühstück, Packen. Loslaufen, Mittagspause. Weiter laufen, Schlafplatz suchen. Die lang ersehnte Dusche, Wäsche waschen (beten, dass diese bis zum Nächsten Tag trocken wird), Supermarkt suchen. Pause, Abendessen, dann Gespräche oder schreiben, früh ins Bett. So verläuft tatsächlich jeder Tag. 

Heute haben wir zum Mittagessen Omelett mit Käse und Schinken gegessen und für zwei Omeletts und zwei Café con Leche gerade mal 7,50 bezahlt. 

Nach der Mittagspause haben wir gesehen, wie die Paprika vor dem Einlegen flambiert werden. 

Der Nachmittag war sehr windig, was aber sehr angenehm war. 

Es ist wirklich erstaunlich, wie gut Anja und ich harmonieren, was das Lauftempo und die Lust auf Pausen oder bestimmtes essen angeht. Wenn das du bleibt, laufen wir weiterhin zusammen. Außerdem unterhalten wir uns gern und viel 🙂 

Im Moment überlegen wir, bis Finisterre zu laufen. Da wir meistens Mittags unsere Tagesetappe laut Reiseführer oder App hinter uns haben, und dann gerne noch weiterlaufen, könnten wir das auch trotz Anjas etwas engerem Zeitplan (sie fliegt am 25.10. früh morgens von Santiago zurück) gut schaffen. Wenn die nächsten Tage alles gut läuft, planen wir bis übermorgen einen kompletten Tag aufgeholt zu haben. Wir haben beide keine große Lust, die Nacht im sicherlich überfüllten Burgos zu verbringen, und kurz vor Burgos sollen 8 sehr hässliche Kilometer sein. Vermutlich werden wir diese übermorgen mit dem Bus fahren, zwei-drei Stunden in Burgos zu verbringen und dann weiter zu ziehen. Auch wenn die Busfahrt etwas gegen unseren Ehrgeiz geht. Wir hören tatsächlich öfter Sätze wie „You are fast walkers“ oder „you are strong Ladies“.

Heute sind wir wieder ein gutes Stück mit Debbie gegangen, was immer wieder sehr interessant ist. Gegen sie sind wir fats langsam. Beeindruckt hat uns auch Thomas, der den Camino gerade zum zweiten Mal nacheinander geht, beim ersten Mal hat er seinen Pilgerausweis verloren. Aber nur 19 Tage gebraucht. Für knapp 800 Kilometer!!!!!

Reizvoll am Camino ist auch die Vielfalt der Leute. Bildlich gesprochen ist vom Tellerwäscher bis zum Millionär alles dabei. Und um ehrlich zu sein, bin ich mit bei beidem sehr sicher, dass das nicht nur ein Bild ist. Aber hier sind alle gleich, schlafen in den selben großen Schlafsäälen, stinken und jammern über Wehwehchen. Das ewige Wäsche waschen. die Sehnsucht nach vernünftigem Essen. Und die Sonne, die nur von einer Seite scheint. Meine Schokoladenseite, wenn ich nach Hause komme, wird die linke sein. Warum wandert man auch im Herbst gen Westen?

Unsere Herberge heute Abend ist wieder besonders, denn wir befinden uns auf der Rückseite von einem sehr schicken Hotel aus dem 14. Jahrhundert. 5€ zahlt man hier für eine Nacht und für 12€ kann man ein Pilgermenü im Hotelrestaurant dazu buchen. Ich kann euch nicht beschreiben, wie gut die Speisenauswahl für uns gerade klingt, ich hoffe es wird auch gleich so gut, wie wir uns das vorstellen. 

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