26: Ferreiros –> Palais de Rei

Mir stecken 34 km in den Knochen. 34 km mit fast durchgängig schmerzenden Füßen. Normalerweise wacht man morgens auf und es ist besser, heute war das nicht der Fall. Dazu kam, dass ich von zuhause gestern und heute das eine oder andere mitbekommen habe, wo man sehr gerne vor Ort wäre und in irgendeiner Form helfen würde. Wer auch immer sich jetzt anfesprochen fühlt, es waren mehrere Stellen, an denen es brannte 😉 so ganz los lässt einen sowas dann ja leider nicht, im Gegenteil, beim Wandern hat man viel Zeit, über solche Dinge nachzudenken. Über die eigene Verantwortung für andere und für sich selbst. Das lindert die Schmerzen leider nur bedingt. Ist jetzt vielleicht etwas ungefiltert, aber das gehörte halt zu meinem Tag. Und auf dem Camino verlernt man Smalltalk und beschönigen schon sehr, es ist durchaus üblich, mit komplett Fremden auch mal darüber zu reden, wenn man z.b. einen blöden Tag hatte 😉
Aber es half alles nichts, es geht jeden Tag weiter, das gehört zum Pilgern dazu. Bis Portomarin habe ich noch mit Anja Schritt gehalten, die auch wenig begeistert war, weil es in unserem Übernachtungsort nur echt mieses Frühstück (=Kuchen) gab und die Grundlage von gestern auch eher gering war. Nach einem ordentlichen Omelette waren wir beide gestärkt, ich ließ sie aber vorziehen.
Nach einigen Kilometern habe ich Anja erzählt, dass ich wohl heute nur 25 km schaffe. Sie hat gekundschaftet und leider waren die Herbergen auf diesen Entfernungen alle voll oder echt nicht schön. Also habe ich mich nach einer Weile damit abgefunden, doch noch 34 km zu laufen. So langsam möchte man auch einfach mal in Santiago ankommen.
Also bin ich langsam und stetig weiter gelaufen und habe Pausen gemacht. Habt ihr schonmal in einem Café eure Schweißfüße ausgepackt und massiert? Nein? Ich heute mehrfach. XD Das war das einzige was noch geholfen hat. Muskelkater hatte ich aber tatsächlich bisher noch gar nicht. In Airexe, also etwa 8 km vorm Ende, traf ich Jenny und Tina wieder. Das war echt super, ohne die nette Gesellschaft der beiden wäre es vermutlich eine echte Quälerei geworden.
Um 20 nach 6 war ich endlich in der Herberge (wir sind gegen 8:15 morgens gestartet…), da wartete aber schon selbst gekochtes Essen und eine ganze Truppe lieber Bekannter auf mich: Kevin, Sandra, René, Katja, Reinhold und Jenny und Tina haben auch entschieden zu bleiben. Sandra guckte mich den ganzen Abend sehr mitleidig wissend an, sie wusste genau, wie es mir geht. Wir haben eine „Blister-Connection“, seit wir in León abends mit Kopflampe zwei Meter voneinander entfernt saßen und unsere Blasen versorgt haben, während alle anderen schon schliefen. War ja auch schon halb 11! Sehr süß war auch, als René, der quasi kein Wort englisch spricht, mir auf einmal ein Bier vor die Nase stellte, als er mitbekam, dass ich echt damit hadere, nochmal eine Treppe hoch zu gehen.
Sie ist schon nett, so eine „Camino-Familie“, man wird gut umsorgt.:-)
Trotzdem denke ich an euch, liebe echte und liebe WG-Familie und schicke liebe Grüße in die Heimat.
67 km sind es nur noch bis Santiago, unglaublich. Wenn es nicht ganz schlimm wird, planen wir uns alle am Mittwoch um 12 in Santiago in der Pilgermesse zu treffen. Und dann hoffe ich, dass meine neuen Schuhe gut genug eingelaufen sind, dass Finisterre ein Klacks wird 😉

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