29: Monte del Gozo –> Santiago de Compostela

Die Nacht war bescheiden, die beiden unsympathischen älteren Französinnen in unserem Zimmer haben uns eine lustige Mischung aus überhitzter Luft, Hustenanfällen und Schnarchen beschert. Dementsprechend war ich noch sehr, sehr tief im Träumeland, als Anja mich weckte. Der Gedanke, bald anzukommen, ließ mich dann aber doch aufstehen. Nach einem flotten Frühstück ohne Kaffee ging es dann im Dunkeln los, denn der Plan war, mit der aufgehenden Sonne in Santiago anzukommen.
Das reinlaufen nach Santiago war wie meistens nicht besonders schön, aber dadurch, dass wir frisch und ausgeruht waren, machte uns das gar nichts. Wir haben es nicht bereut, noch eine Nacht Legehenne gewesen zu sein. Die riesige Herberge in Monte del Gozo war übrigens echt etwas gruselig, es waren ca. 30 Betonbauten, von denen lediglich in einem Haus einige Betten belegt waren. Wenn man durch den Wohnpark lief hatte das schon ein wenig KZ-Feeling.
Naja, auf dem Weg nach Santiago legten wir dann noch ein schnelles Kaffeepäuschen ein, auf Anjas Wunsch in einem typisch spanisch aussehenden Café.

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Auf dem Weg zur Kathedrale entdeckten wir dann mitten in der Innenstadt die hübsche Herberge mit dem passenden Namen „The last Stamp“, wo wir kurzerhand ein Zimmer reservierten, auch wenn es 18€ p.P. kostete, weil wir es auf Anhieb toll fanden.
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Natürlich nahmen wir die Rucksäcke trotz Lagermöglichkeit nochmal mit, denn immerhin mussten wir ja auch wirklich do ankommen, wie wir den ganzen Weg gepilgert sind.
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Als wir die Treppe zur Kathedrale runterstiegen, fingen genau in diesem Moment die Glocken an zu läuten. Das war ein bombasticher Empfang. Einer der vielen, vielen „Zufälle“, die der Camino bereit hält. Nach diesem Weg ist es schwer, noch an Zufälle zu glauben.
Ein weiterer war, dass Reinhold und Julia schon wieder (!) in unserer Herberge gelandet sind.
Nach einer Fotosession vor der Kathedrale, bei dem ich diese hübsche Bild vom Bein eines netten Italieners ergattert habe. Um die Personen UND die Kathedrale ganz drauf zu bekommen, muss man sich nämlich auf dem Rücken auf den Boden legen, was ich dann später auch noch getestet habe 😉

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Nach der Fotosession gingen wir unsere Compostela holen, die Pilgerurkunde.
Wie am Amt, sag ich euch.

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Das gute Stück liegt in einer Papprolle in meinem Rucksack ganz unten, daher gibt es leider kein Foto.

Danach gingen wir nett frühstücken, ganz dreist mit eigenem Essen in einem Café, weil es unmöglich war, draußen einen netten Platz zu finden. Da verliert man aber eh nach einer Weile jede Scheu, man bestellt einfach einen Kaffee dazu und futtert, was der Rucksack hergibt. Diesmal haben wir uns aber um ein wenig Diskretion bemüht.

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Danach ging es um 12 Uhr in die Pilgermesse. Um genau zu sein, waren wir schon um halb 12 da, um noch einen Platz zu bekommen. Haha! Da standen schon die Hälfte der Leute. Wir suchten uns einen netten Stehplatz in einem Seitenflügel ziemlich weit vorne, was aber gut auzuhalten war, weil die Messe tatsächlich ziemlich kurz war. Die Nicht-Kirchgänger sahen das natürlich anders XD. Jedenfalls war die Messe nahezu komplett auf spanisch, was ziemlich witzig war, denn die gesammelte koreanische Mannschaft versuchte den Schein zu wahren und bewegte passend zu den spanischen Phrasen der Liturgie den Mund. Und wir haten Glück, das Weihrauchfass wurde geschwungen, das gibt es nur sonntags, zu besonderen Gelegenheiten und gegen 450€ Spende. Es war auf jeden Fall unglaublich beeindruckend. Man hatte nur ein wenig Angst, dass das Seil reißen könnte.

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Sehr schön war für uns auch, dass Reinhold als Priester die Messe mit zelebrierte, weil man dadurch doch etwas mehr Bezug hatte, denn von dem spanischen Gelaber verstand man fast nichts. Eine Fürbitte von ihm gab es dann sogar auf deutsch.
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Nach der Pilgermesse trafen wir Reinhold, Julia, Jenny und Tina, tranken ein Bierchen und machten mehr Fotos.
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Wir verabredeten uns für 6 Uhr zum Essen gehen und checkten noch in die Herberge ein, bevor jeder die Zeit für sich nutzte.
Ich ging auf Herbergenpirsch für meine verbleibenden 3 Tage in Santiago vor meinem Flug und buchte direkt ein Bett.

Das Essen war sehr nett und seeeehr lecker, Tapas sind schon was feines.
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Danach ging es noch in eine Bar und dann auch irgendwann ins bett.

Ein schöner Zufall war auch, dass wir noch die Gelegenheit hatten, uns nach der Messe von Majorie und Luc zu verabschieden, und abends von Sandra, Kevin und René. Es war sowieso ziemlich witzig, durch Santiago zu laufen, denn wir mussten alle paar Meter stehen bleiben, weil wieder jemand ein bekanntes Gesicht getroffen hat. In der Herberge, die ich vorgebucht habe, traf ich Tomas wieder, der seinen zweiten Camino hintereinander beendet hat. Aber er ist langsam geworden, von 19 Tagen beim ersten Mal auf 29 Tage beim zweiten Mal XD
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Ich bin gespannt, wie viele Leute ich noch wieder treffe, wenn ich ab Montag wieder da bin 🙂

2 Antworten auf „29: Monte del Gozo –> Santiago de Compostela“

  1. Was für ein toller Blog! Du kannst richtig toll auf dich sein – ich bewundere deine Ausdauer und fand es total schön und aufregend mitzulesen. Genieße deine letzten Tage in Spanien – y que tengas un buen vuela a casa!
    Liebe Grüße aus Wolfenbüttel!

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