15: Carrion de los Condes –> Moratinos 

Heute war kein Tag für Fotos. Der Tag startete bescheiden, denn ich wachte auf, mein Handy war ausgegangen und als ich eine Frau fragte, wie spät es sei, antwortete diese: 10 nach sieben. Ich hab verschlafen!!! Ich dachte nicht, dass das überhaupt geht, aber tatsächlich (!!!) war noch kein Licht an. Schon ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass sonst spätestens um halb 6 die ersten Pilger mit den Hufen scharren. Um 8 mussten wir die Herberge räumen. Als ich runter kam, sagte Anja mir als erstes, dass jemand unseren Käse genommen hat, was uns beide ziemlich geärgert hat. Abgesehen davon war mein Akku fast leer, ein Grund, warum ich kaum Fotos gemacht habe.

Vor uns lagen heute 17 km ohne Dorf und diese waren schon wieder ziemlich nervig. Zwar liefen nur 6 davon an der Straße entlang, der Rest ging aber schnurgerade aus, ohne große Veränderungen in der Landschaft. Außerdem bin ich ja eh morgenmuffelig (mein Wander-Rhythmus passt nicht zu Pilgern, fit werde ich nach dem zweiten Frühstück gegen 11). Dazu kamen Schmerzen, ich weiß nicht ob muskulär oder in der Sehne linksseitig, und rechts von meiner echt blöden Blase, daher war meine Laune sehr bescheiden. Anja habe ich dann auch vorgeschickt, wir haben beschlossen, jeden Tag zu schauen, wie es läuft, sie geht vor, und ich schaue ob ich es bis abends bis zu ihrem Zielort schaffe. Nach der Mittagspause haben wir uns aber wieder getroffen und uns nett mit einem französischen Paar unterhalten, während wir die letzten 11-12 km für heute zurück legten. Da wurde meine Laune besser, und die Schmerzen weniger. 

In der Mittagspause habe ich wie so oft den Barkeeper gebeten, meine Flasche mit Wasser zu füllen. Daraufhin faselte er etwas von no Agua und tonic und füllte mir tatsächlich aus Jux Gin in meine Flasche. Die spinnen, die Spanier 😉

Gerade sitzen wir nett Garten und haben schon brav Wäsche gewaschen. Ein entspannter Tagesausklang.

P.S.: Kilometertechnisch Halbzeit bis Santiago!! Wir sind unter 400 km bis dahin B-)

12: Cardeñuela Riopico –> Hornillos del Camino

Es ist halb 1o und ich bin derart müde, dass ich das Gefühl habe, ich wäre 75. Und schrägerweise ist das so langsam normal 😉

Achja, kleine Warnung vorweg: am Ende dieses Eintrags werdet ihr meine Füße samt Blasenpflaster sehen. Wen sowas ekelt, der möge wegsehen, aber es gehört hier einfach zur täglichen Realität. Neulich hatte ich auch schon eine Blase auf einer Blase. Und es gehört hier durchaus zum guten Ton, sich nach Blasen zu erkundigen und man kommt nicht drum herum, sie auch bei anderen zu sehen.

Heute sind wir recht spät gestartet (kurz nach 8) und haben wie angekündigt ein wenig geschummelt. Wir sind sechs Kilometer gelaufen und in Castanares in den Bus gestiegen, da die vor Burgos eine recht hässliche Industrieregion ist. Wir haben lange mit uns gerungen, uns aber entschieden, dass der Ehrgeiz an der Stelle falsch wäre, denn immerhin sind wir auch wegen der tollen Landschaft hier. Es ging auch nur um 7-8 Kilometer. Wir hatten beide vorher schon keine Lust auf Stadt. In Burgos angekommen haben wir in einem kleinn Lädchen gegessen, in dem nur Einheimische waren (hauptsächlich Leute von der Müllabfuhr), was sowohl sehr lecker als auch sehr günstig war.

In Burgos war ein Mittelalterfest, und nach 2 Stunden waren wir so genervt von Stadt, dass wir beschlossen unsere Besorgungen zu verschieben, und nur noch aus der Stadt wollten. 

Zu dem Zeitpunkt konnte ich mir kaum vorstellen, dass ich noch 20 km laufen könnte, da man wirklich irgendwie angestrengt war. 

Als wir wieder unterwegs waren, hatte ich eine nette Unterhaltung mit einem Spanier (kein Pilger), der erzählte, dass er es schön fände, dass ich den Camino gehe, weil es nicht touristisch ist und man das wirkliche Spanien kennen lernt, die Kultur, die Menschen. Das hat mich schon gefreut, denn oft hat man den Eindruck, dass fast alles um die Pilger arrangiert wird. Manche Dörfchen scheinen nur dank eines Restaurants für Pilger überhaupt zu existieren und in sämtlichen der Dörfer sieht man kaum junge Menschen. 

Nach einer Weile wandern mit guter Musik war die Laune schon wieder viel besser.
 Nach etwas mehr als 10 km machten wir ein Kaffeepäuschen und gingen dann die letzten 10 km durch.

Diese waren wieder wirklich wunderschön, z.b. dieses kleine Dörfchen:

Und die Weite der Felder. Ich glaube kaum, dass auf den Fotos wirklich rüber kommt, wie abwechslungsreich und schon die Landschaft ist.

Wir glauben, eigentlich sind es noch 477 km, aber dieses Schild erblickten wir bei unserer Ankunft in Hornillos.

Gute Nacht allerseits, morgen wird wieder lange! 

11: Villafranca Montes de Oca –> Cardeñuera Riopico

Heute hatten wir nur knapp 25 km, dafür allerdings nochmal gespickt mit ein wenig mehr Steigung. Direkt hinter der Herberge ging es damit auch schon los, was ich um halb 8 morgens gar nicht mal so toll fand. 

Ich hatte heute nicht die beste Tagesform, und war ein bisschen mimimi. Heute sind wir viel zu dritt gelaufen, Debbie hat sich uns  angeschlossen. Nach etwa 19 km hatten Anja und ich eine schöne, ausgedehnte Mittagspause in einem großen Garten vor einer Bäckerei. Gerade ist es echt schwierig, Supermärkte zu finden, gestern standen wir tatsächlich in einem, der fast komplett leer war. Die letzten 6 km liefen wir nochmal über einen Berg, die Landschaft war wirklich schön. Man kann sich so richtig vorstellen, wie heiß es hier im Sommer ist, auch wenn es heute gerade einmal 19 grad waren. Für morgen planen wir ein bisschen Schummelei, aber mehr dazu morgen.