Die erste Woche…

…. ist verflogen wie nichts.

Das liegt an den vielen tollen Eindrücken, aber auch daran, dass das Land so anders funktioniert, dass man sich erstmal einfinden und organisieren muss.

Die ersten Tage haben wir in Teheran verbracht. Wie ich inzwischen weiß, leben dort 9 Millionen Menschen, tagsüber wächst die Stadt auf 12 Millionen Menschen an. Selbst die „Vororte“ wie Karaj haben noch 3 Millionen Einwohner, also vergleichbar mit Berlin.

Unser Start nach Teheran war sehr gemütlich, wir haben im 4-Sterne-Hotel am Flughafen ein wirklich dekadentes Frühstück genossen. Leider kann ich trotz VPN Zugang zum Internet keine Fotos hochladen, wordpress gehört wohl zu den gesperrten Apps ( wie für meine SIM-Karte fast alles..). Danach ging es los ins erste Abenteuer: Metro fahren. Dies ging vom Flughafen aus extrem gut. Nachdem eine andere Frau mit Einstieg, entschied ich mich dagegen, in den women only Wagen einzusteigen. Als es in Teheran immer voller wurde, war es schon ein merkwürdiges Gefühl, mit etwa 5 Frauen auf engstem Raum mit jeder Menge Männern zu stehen.

Angekommen liefen wir von der Metro-Station aus Richtung Hostel der Initiative See You In Iran. Die Mitglieder von SYI leisten jede Menge Arbeit, um Tourismus zu ermöglichen, medienwirksam zu zeigen, dass der Iran ein super Reiseland ist und unterstützen einen, wo es geht. Leider haben die Sanktionen jede Menge Auswirkungen auf die Menschen im Iran. Alle fürchten um Ihre Zukunft, die Inflation geht rapide ( 1 € waren bei unserer Ankunft umgerechnet 200.000 Rial) und keiner weiß so genau, wie es weiter gehen soll. Auf den Tourismus wirkt sich das auch aus: das Hostel ist normalerweise im November voll ausgebucht, dieses Jahr gibt es bisher 3 Reservierungen.

Man merkt die Sanktionen aber auch an anderen Ecken: man zahlt plötzlich Touristenpreise. Dies war vorher im Iran nicht üblich und es hat uns zwei Tage gekostet, bis wir verstanden haben, wie viel manche Dinge eigentlich kosten. Man sieht viele ernste Gesichter, und obwohl jeder Reiseführer rät, von politischen Diskussionen abzusehen, werden die Sanktionen früher oder später Thema.

Im Hostel hatten wir Glück: da die Schlafsäle ausgebucht waren, bekamen wir für den gleichen Preis ein Doppelzimmer. Übernachten ist nach wie vor neben geführten Touren das teuerste auf einer Iranreise, alles andere ist durch die Inflation sehr günstig. Metro fahren kostet 5 Cent, mit 2 Personen und Getränken kann man gut für 4 -8 € essen gehen.

Nachdem wir uns ausgeruht und länger mit einem Holländer über seine Reiseerfahrungen ausgetauscht hatten, gingen wir los, um zum ersten Mal essen zu gehen. Die Cafés in Teheran haben oft sehr schöne Höfe mit vielen Bäumen und Blumen, in denen man sitzen kann. Die Limonaden werden dort frisch zubereitet und sind ziemlich lecker. Nachdem wir gestärkt waren, erkundeten wir die nähere Umgebung und sahen die erste Moschee und eine der wenigen Kirchen des Landes. Es wurde schon gegen halb 6 dunkel, und wir hatten noch kein richtiges Gefühl dafür, wie sicher man im Dunkeln draußen ist (inzwischen denke ich, dass man an den meisten Ecken keine Angst haben braucht, es ist vermutlich ähnlich wie in deutschen Großstädten). Also steuerten wir irgendwann doch zurück Richtung Hostel. Auf dem Weg entdeckten wir jedoch einen kleinen, hübschen Innenhof und einen tollen Balkon. Neugierig liefen wir hinein und hatten unsere erste sehr schöne Reiseerfahrung: nach einem sehr guten Chai + Kuchen bekamen wir gratis Töpferunterricht von einer Lehrerin und Übersetzerin. Die getöpferten Schalen können wir brennen lassen und am Ende des Urlaubs abholen.

Der zweite Tag unseres Urlaubs war ein bisschen der Tag des Ankommens und Kulturschocks. Basti machte es zu schaffen, dass bisher so wenig Plan für die folgenden Tage da war und ich hatte auch an einigen Stellen meine Probleme. Nach dem Frühstück zogen wir los um, um eine SIM-Karte zu besorgen und den Golestan Palast zu sehen. Der SIM-Karten-Kauf war Sinnbild für unsere anfängliche Verwirrung beim Einkaufen und iranischer Organisation und dem Gefühl, betuppt zu werden: kaum ein Wort Englisch, erst hieß es die Karte würde nur 14 Tage laufen, fann plötzlich 21, da Touristen keine Simkarten kaufen können lief sie auf den Namen der Verkäuferin, mein Pass wurde aber trotzdem gescannt und am Ende haben wir vermutlich den 4fachen Preis (8€) inkl. Eines angeblichen Datenvolumens von 15 HB bezahlt, wissen aber nun, dass man 10 GB davon nur nachts nutzen kann. So viel zum Kulturschock;) Der Palast war wirklich sehr beeindruckend. Die verspiegelten Räume waren sehr imposant und die Mischung aus europäischem Barock und 1001 Nacht in Form von Fliesenbildern und Säulen war schön anzusehen. Auf dem letzten Stück durch den Garten stießen wir auf einen älteren Herren, der uns auf deutsch ansprach und fragte, ob er sich mit uns unterhalten könne. Er lernte seit einem halben Jahr deutsch, sprach aber wahnsinnig gut. Dieses Gespräch war für mich eines der Erlebnisse, die den zweiten Tag recht schwierig machten: es war ein tolles Gespräch, aber eigentlich nur zwischen ihm und Basti. Das hat mich an dem Tag sehr mitgenommen, weil ich das Gefühl hatte, als Frau wenig beachtet zu werden. Inzwischen weiß ich allerdings, dass in den allermeisten Fällen die Männer recht unsicher sind, wie sie mit europäischen Frauen umgehen sollen und es viel an mir liegt, mich einzubringen, zuerst die Hand zu geben, usw. Direkt zu Beginn war ich allerdings noch zu eingeschüchtert.

Nach einem Essen im Golestan Palast hatten wir leider kaum noch Geld übrig (ich hatte nur einen kleinen Teil am Flughafen getauscht) und machten uns daher auf den Rückweg, auch um zu organisieren. Inzwischen wussten wir immerhin, dass wir viel weniger für ein Metroticket ausgeben mussten, als wir es bei der ersten Fahrt getan hatten. Am Rückweg durch den Park trafen wir Reza, der uns auf einen Tee einlied und mit seinen Antiquitätenhandeln und seinem Reichtum protzte. Trotzdem war es eine ganz witzige Begegnung. Im Hostel schafften wir es mit der Organisation auch nicht so recht, wir waren abwechselnd zu müde, hatten noch sehr schöne Gespräche mit einer der Hauptamtlichen im Hostel und einem deutschen, der seit einem knappen Jahr in einem winzigen iranischen Dorf wohnt und dort auch Fotos macht und mussten noch etwas zu Essen einkaufen. Wiederum zum überteuerten Preis- aber danach haben wir gelernt, wie wir die Ladenpreise finden. Man wird besser 😉 so gingen wir abends beide recht unzufrieden und bedrückt schlafen, aber wussten auch irgendwie schon, dass dieser Tag einfach nötig war, um anzukommen.

Der nächste Tag würde dann sehr schön. Wir planten erst beim Frühstück draußen in der Sonne unsere direkte Weiterreise und brachen dann auf Richtung Bazar. Die überfüllte Stadt und der Lärm und das Verkehrschaos stressten uns nicht mehr und wir konnten es genießen zu entdecken. Im Bazar haben wir dann auch ein Kleidungsstück für mich geshoppt – 1,25 €. Man musste immer etwas aufpassen um nicht von den Karren mit allerlei Waren drauf überrollt zu werden. Da Basti Lust auf Tee hatte steuerte er schnurstracks in einen Nussladen und fragte nach – die Situation war recht witzig, weil die Herren dort auch kein Englisch sprachen. Für den Tee wollten sie natürlich nicht bezahlt werden – also kauften wir stattdessen ein Kilo Erdnüsse. Einige Straßenzüge die wir entlang liefen wirkten etwas absurd, wie die Straße, in der fast nur Roller standen oder eine Graskonsumecke, in die wir versehentlich liefen. Aber insgesamt war das bunte Treiben sehr spannend, auch außerhalb des Bazars. Wir erhaschten viele Blicke in die Werkstätten, die Bleche für die kunstvoll verzierten Zuckerdosen und Teekannen herstellten und die Läden. Man kann sagen: es gibt in Teheran wirklich alles, man muss nur wissen wo. Wieviele Kästen mit Schraubenziehern oder Reissäcke oder Autoreifen wir umschiffen mussten.. das Straße überqueren lief langsam uach flüssiger: losgehen und böse gucken 😉

Auf dem Weg zum Nationalen Juwelenmuseum in der Nationalbank liefen wir auch an diversen anderen Banken vorbei – und in manche hinein: bei den bombastischen Gebäuden und Eingangshallen fehlten nur noch die Kobolde hinterm Tresen. Das Gringotts-Gefühl hielt auch auf dem Weg ins Museum weiter an: wir wurden durch diverse Sicherheitsscanner ohne alle unsere Sachen in den Keller geschleust, die unglaublich dicken Tresortüren standen allerdings schon offen. Witzigerweise sitzen hier an den absurdesten Orten immer Menschen, die Tee trinken: so auch im Keller der Bank zwischen drei Sicherheitsschleusen und dem Museum.

Das Museum selbst war sehr imposant, ich will nicht wissen, welche Werte dort lagen. Aber falls ihr mal einen Globus komplett aus Edelsteinen braucht oder einen diamantbesetzten Regenschirm – kein Problem! So ein Diamant-Krönchen wiegt auch nur etwa 3 kg.

Danach zogen wir weiter und fanden das Café von Google Maps nur durch die Hilfe Einheimischer: es war einer dieser vielen Eingänge, an denen man Null erkennt, was danach kommt. In diesem Fall ein sehr schönes Dachcafé mit gutem Essen.

Nach dem Café gingen wir dann wirklich mal im Hostel den weiteren Urlaub planen und waren danach beide sehr zufrieden.

Am vierten Tag brachen wir dann wie geplant auf zu Daniels Familie (ein Bekannter von Basti, der jede Menge Geschenke von ihm dabei hatte). Wir waren recht aufgeregt, weil wir noch so wenig Übung im taroof hatten und schwer einschätzen konnten, was uns erwartet. Taroof ist die iranische Höflichkeitsform, bei der man im Prinzip alles mehrfach ablehnen muss – z.b. bietet der Taxifahrer an, dass man nicht bezahlen muss und man muss darauf bestehen. Sehr ungewohnt.

Daniels Vater holte uns vom Bahnhof ab, und bei ihm war eine Freundin seiner Tochter aus Teheran, die extra zum Übersetzen angereist war und die gesamte Zeit über blieb. Natürlich gab es direkt nach unserer Ankunft jede Menge zu essen uns Tee und Süßigkeiten und ungelogen, 10 Minuten stillsitzen ohne etwas abzulehnen war sehr schwierig. Am Anfang war die Stimmung noch etwas befangen, aber über die Tage hinweg wurde es immer lockerer und auch authentisch herzlicher.

Am ersten Abend wurden wir ins Einkaufszentrum gebracht (natürlich nicht ohne Eis) und die ganze Familie trudelte zum Abendessen ein ( ich glaube das ca 5. Mal, dass wir seit dem Mittagessen etwas gegessen hatten). Die Mutter kochte extra alles vegetarisch, weil Basti ihrem sohn gegenüber erwähnt hatte, dass ich Vegetarierin bin, aber offen sei Fleisch zu probieren. Taroof und Gastfreundschaft – alles tun, damit man sich wohlfühlt. Vor dem Essen gab es eine Spielerunde der jüngeren Generation, das löste die Stimmung sehr. Am nächsten Tag wurden wir nach dem Kauf einer zweiten Simkarte, diversen Taroof-Fettnäpfchen, in die wir tappten und einem Spaziergang im Park mit dem Auto auf dir Straße Richtung Norden gebracht. Chico, der Vogel der Familie und das mit Abstand wichtigste Familienmitglied war ebenfalls dabei, wie auch ein gigantisches Picknick inkl. Teeset und warmem Essen. Die Gebirgsstraße war abgesehen vom Müll ( man ist da ja verwöhnt als Deutscher) wirklich sehr schön .

Zuhause angekommen saßen wir im kleinen Garten, lernten ein bisschen persisch, hatten nette Gespräche und spielten wieder und waren etwas traurig, als wir am nächsten Morgen in aller Frühe weiterzogen.

Denn nun ging es mit dem Taxi Richtung Qazvin – wo uns unser Guide Rasoud schon erwartete. Mit ihm und einem Paar aus der Schweiz fuhren wir noch über eine Stunde ins Alamut-Tal zum Heim und zur Farm seiner Eltern. …tbc…

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