16: Moratinos –> El Burgo Ranero 

Ich.liege.in.einem.echt.beschissenen.Stockbett. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht heute Nacht auf den bekloppten Belgier krache, der immer eine echte Hasenpfote in der Hosentasche hat. 

Ok, Planänderung, nachdem ohne Witz jede Bewegung meines Zeigefingers auf dem Handy ein lautes Quietschen des Bettes hervorgerufen hat, liege ich jetzt samt Matratze auf dem Boden.

Heute sind wir etwa 30 km gewandert und haben gevöllt. Aber nicht zu knapp. Es war wahnsinnig lecker. Sowohl Kuchen und Gebäck mit Chorizo gefüllt am Weg als auch das selbst gekochte Essen: Risotto, Omelette, Salat, dunkles (!) Baguette, Käse, Wein und Bier waren echt Bombe.

Das Wolkenspiel war heute unglaublich schön. Der erste Teil des Weges war langweilig und ermüdend, aber unsere 6 bonuskilometer waren echt schön. sahagun ist übrigens echt hässlich, falls mal einer von euch in die Verlegenheit kommt 😉

Es war ein sehr lustiger Abend mit den Herrschaften am Tisch. Wir haben außerdem auch eine große Truppe jüngerer deutscher getroffen, was immer wieder nett ist, denn es sind doch viele ältere unterwegs. 

Ich bin heute tatsächlich schmerzfrei und gut erholt gelaufen. Das war so schön. Zwar sind meine Blasen nicht weg, aber heute ging es echt erstaunlich gut. Insgesamt finden wir die Strecke zwischen Burgos und Leon aber weniger schön. Ich  hoffe, dass es nach Leon noch mal schöner wird!

14: Castrojeriz –> Corrion de los Condes

Mein erster Tag ganz allein auf dem Camino! Skurrilerweise ging ich noch im Dunkeln los, da alle so früh auf waren. Allerdings vergaß ich meine Wanderstöcke und musste noch mal umdrehen. Der erste Teil ging steil dem Berg hinauf, war aber wunderschön zu laufen während des Sonnenaufgangs. Allerdings hatte  ich schon das Gefühl, das neben mir etwas fehlte. Schön schräg, wie schnell man sich aneinander gewöhnt. Anja hat mir später erzählt, dass es ihr ähnlich ging. Ich bin sehr gut in meinem eigenen Tempo gegangen, und pünktlich zum zweiten Frühstück Natascha begegnet und war zum Lunch in Fromista, und habe mich dort mit Monika aus Tschechien getroffen. Aber irgendwie wollte ich noch weiter, auch wenn ich schon 24 km auf dem Buckel hatte. Anja hatte mir morgens erzählt, dass sie bis Carrion de los Condes laufen will, sie einzuholen war also utopisch. 

Obwohl Monika in Fromista blieb, lief ich weiter. Es ging immer geradeaus, am der Straße entlang. Die erste Stunde könnte ich das noch ignorieren, dann wurde es echt anstrengend. Irgendwann reservierte ich ein Bett in einer Herberge, was zwar eine weitere Stunde Weg bedeutete, allerdings sinnvoll war, da am Tag danach ein langes Stück von 17 km ohne Zivilisation anstehen würde, in dem man nicht mittendrin in eine Herberge gehen konnte. Danach wurde es echt schleppend. Dann rief Anja an, und sagte, der komplette Weg bis Carrion bliebe: „Entschuldigung,… Scheiße!“ Und sie würde jetzt einkaufen um zu kochen. Ich war völlig genervt und dir Vorstellung  am nächsten Tag weiter diesen Weg laufen zu müssen klang furchtbar, ein Abendessen mit Anja allerdings so gut… 

Also versuchte ich im nächsten Dorf, einen Bus zu erfragen, allerdings fand sich dort kein Mensch, der auch nur ansatzweise Englisch sprach. Völlig fertig, mit schmerzenden Füßen, schleppte ich mich dann noch zwei Kilometer weiter bis zur Herberge, in der ich ein Bett reserviert hatte. Insgesamt trotz Blasen und Schmerzen in der linken Wade 33 Kilometer! 

Dort fand ich heraus, dass kein Bud fuhr. Allerdings fand ich die Idee, wieder mit Anja essen und starten zu können so schön, dass ich mit trotz reserviertem Bett ein Taxi rufen ließ und die 12 km bis Carrion fuhr. Das war so eine gute Entscheidung!!! In der Herberge waren ausschließlich Spanisch sprechende Menschen und kein WiFi ( dafür Hühner und Hängematten und Tipis in einm tollen Garten). Die Herberge, in der ich mit Anja blieb, war aber echt super, sie hat für mich gekocht, und wir hatten einen echt schönen Abend. in der Stadt hörten wir unsere Namen und plötzlich stand Kiki hinter uns, die wir eigentlich schon lange zurück gelassen hatten. Es ist echt witzig, am Camino trifft man immer wieder unverhofft Leute, mit denen man gar nicht mehr gerechnet hätte. Später hatten wir noch eine nette Runde mit mehreren Deutschen, bevor ich echt müde, aber glücklich, ins Bett fiel. 

13: Hornillos del Camino –> Castrojeriz

Was für ein Tag! So voll und beeindruckend, dass ich tatsächlich erst zwei Tage später dazu komme, darüber zu schreiben. Eines habe ich heute gelernt, der Camino macht die Regeln. 
Man kann sich auf den Kopf stellen und tun, was man will, manche Sachen hat man einfach nicht in Hand. Das mag jetzt ein wenig merkwürdig oder esoterisch klingen, aber ich glaube nachvollziehen kann man das erst, wenn man es selbst erlebt hat. 

Losgelaufen sind wir in einem dichten Nebel, die Feuchtigkeit zog bis auf die Knochen. Als der Nebel sich lichtete, wurde es richtig schön und der Anblick war Wahnsinn. 

Wir hatten eine nette Kaffeepause. Aber schon nach etwa 15 Kilometern merkte ich, wie sehr mich meine Blasen und vor allem die eine neue quälten. Auf dem Plan standen 33 km bis Itero de la Vega. Es fiel mir denkbar schwer, mit Anja mitzuhalten (die übrigens 49 ist und fit wie ein Turnschuh)

In Castrojeriz, also nach 22 km, merkte ich, als wir gerade fürs Abendessen einkaufen wollten, dass ich nicht mehr weiter laufen kann. Also hielten Anja und ich Kriegsrat und entschieden, uns zu trennen. Das war keine leichte Entscheidung, aber Anja wäre nur wegen mir geblieben, und jeder muss hier auf dem Camino sein eigenes Tempo und seinen eigenen Weg gehen.

Der Tag hielt noch viel für mich bereit an eindrucksvollen, tollen Begegnungen und Gesprächen. Ich will nicht ins Detail gehen. Aber ich war tatsächlich nach 0,4 l Bier am Nachmittag schon leicht angeschickert, verbrachte eine tolle Zeit allein auf einer Café-Terasse, hatte ein sehr besonderes Gespräch mit „unserem speziellem Freund“, der auf dem Foto zu sehen ist (leider kennen weder Anja noch ich seinen Namen, obwohl wir wirklich immer und immer wieder über ihn stolpern), habe in einer echt süßen Herberge übernachtet, mit Lebensmitteln in der Küche zum Kochen, und Betten unter einem hübschen Dachstuhl, Debbie wieder getroffen, die zwar normalerweise eher sehr tough ist, aber tatsächlich ein bisschen fürsorglich wurde, als sie hörte, dass ich jetzt allein unterwegs bin, einen Apotheken-Marathon hingelegt und einen netten Abend mit Natascha, einer lieben Deutschen, im Garten gehabt. Sie wird am Camino übrigens Blister-Girl genannt und das zurecht (sorry, du hättest mir diesen Spitznamen nicht verraten dürfen XD).

Dieser Tag war wirklich sehr besonders, das ist schwer in Worte zu fassen. 

15: Carrion de los Condes –> Moratinos 

Heute war kein Tag für Fotos. Der Tag startete bescheiden, denn ich wachte auf, mein Handy war ausgegangen und als ich eine Frau fragte, wie spät es sei, antwortete diese: 10 nach sieben. Ich hab verschlafen!!! Ich dachte nicht, dass das überhaupt geht, aber tatsächlich (!!!) war noch kein Licht an. Schon ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass sonst spätestens um halb 6 die ersten Pilger mit den Hufen scharren. Um 8 mussten wir die Herberge räumen. Als ich runter kam, sagte Anja mir als erstes, dass jemand unseren Käse genommen hat, was uns beide ziemlich geärgert hat. Abgesehen davon war mein Akku fast leer, ein Grund, warum ich kaum Fotos gemacht habe.

Vor uns lagen heute 17 km ohne Dorf und diese waren schon wieder ziemlich nervig. Zwar liefen nur 6 davon an der Straße entlang, der Rest ging aber schnurgerade aus, ohne große Veränderungen in der Landschaft. Außerdem bin ich ja eh morgenmuffelig (mein Wander-Rhythmus passt nicht zu Pilgern, fit werde ich nach dem zweiten Frühstück gegen 11). Dazu kamen Schmerzen, ich weiß nicht ob muskulär oder in der Sehne linksseitig, und rechts von meiner echt blöden Blase, daher war meine Laune sehr bescheiden. Anja habe ich dann auch vorgeschickt, wir haben beschlossen, jeden Tag zu schauen, wie es läuft, sie geht vor, und ich schaue ob ich es bis abends bis zu ihrem Zielort schaffe. Nach der Mittagspause haben wir uns aber wieder getroffen und uns nett mit einem französischen Paar unterhalten, während wir die letzten 11-12 km für heute zurück legten. Da wurde meine Laune besser, und die Schmerzen weniger. 

In der Mittagspause habe ich wie so oft den Barkeeper gebeten, meine Flasche mit Wasser zu füllen. Daraufhin faselte er etwas von no Agua und tonic und füllte mir tatsächlich aus Jux Gin in meine Flasche. Die spinnen, die Spanier 😉

Gerade sitzen wir nett Garten und haben schon brav Wäsche gewaschen. Ein entspannter Tagesausklang.

P.S.: Kilometertechnisch Halbzeit bis Santiago!! Wir sind unter 400 km bis dahin B-)

12: Cardeñuela Riopico –> Hornillos del Camino

Es ist halb 1o und ich bin derart müde, dass ich das Gefühl habe, ich wäre 75. Und schrägerweise ist das so langsam normal 😉

Achja, kleine Warnung vorweg: am Ende dieses Eintrags werdet ihr meine Füße samt Blasenpflaster sehen. Wen sowas ekelt, der möge wegsehen, aber es gehört hier einfach zur täglichen Realität. Neulich hatte ich auch schon eine Blase auf einer Blase. Und es gehört hier durchaus zum guten Ton, sich nach Blasen zu erkundigen und man kommt nicht drum herum, sie auch bei anderen zu sehen.

Heute sind wir recht spät gestartet (kurz nach 8) und haben wie angekündigt ein wenig geschummelt. Wir sind sechs Kilometer gelaufen und in Castanares in den Bus gestiegen, da die vor Burgos eine recht hässliche Industrieregion ist. Wir haben lange mit uns gerungen, uns aber entschieden, dass der Ehrgeiz an der Stelle falsch wäre, denn immerhin sind wir auch wegen der tollen Landschaft hier. Es ging auch nur um 7-8 Kilometer. Wir hatten beide vorher schon keine Lust auf Stadt. In Burgos angekommen haben wir in einem kleinn Lädchen gegessen, in dem nur Einheimische waren (hauptsächlich Leute von der Müllabfuhr), was sowohl sehr lecker als auch sehr günstig war.

In Burgos war ein Mittelalterfest, und nach 2 Stunden waren wir so genervt von Stadt, dass wir beschlossen unsere Besorgungen zu verschieben, und nur noch aus der Stadt wollten. 

Zu dem Zeitpunkt konnte ich mir kaum vorstellen, dass ich noch 20 km laufen könnte, da man wirklich irgendwie angestrengt war. 

Als wir wieder unterwegs waren, hatte ich eine nette Unterhaltung mit einem Spanier (kein Pilger), der erzählte, dass er es schön fände, dass ich den Camino gehe, weil es nicht touristisch ist und man das wirkliche Spanien kennen lernt, die Kultur, die Menschen. Das hat mich schon gefreut, denn oft hat man den Eindruck, dass fast alles um die Pilger arrangiert wird. Manche Dörfchen scheinen nur dank eines Restaurants für Pilger überhaupt zu existieren und in sämtlichen der Dörfer sieht man kaum junge Menschen. 

Nach einer Weile wandern mit guter Musik war die Laune schon wieder viel besser.
 Nach etwas mehr als 10 km machten wir ein Kaffeepäuschen und gingen dann die letzten 10 km durch.

Diese waren wieder wirklich wunderschön, z.b. dieses kleine Dörfchen:

Und die Weite der Felder. Ich glaube kaum, dass auf den Fotos wirklich rüber kommt, wie abwechslungsreich und schon die Landschaft ist.

Wir glauben, eigentlich sind es noch 477 km, aber dieses Schild erblickten wir bei unserer Ankunft in Hornillos.

Gute Nacht allerseits, morgen wird wieder lange! 

11: Villafranca Montes de Oca –> Cardeñuera Riopico

Heute hatten wir nur knapp 25 km, dafür allerdings nochmal gespickt mit ein wenig mehr Steigung. Direkt hinter der Herberge ging es damit auch schon los, was ich um halb 8 morgens gar nicht mal so toll fand. 

Ich hatte heute nicht die beste Tagesform, und war ein bisschen mimimi. Heute sind wir viel zu dritt gelaufen, Debbie hat sich uns  angeschlossen. Nach etwa 19 km hatten Anja und ich eine schöne, ausgedehnte Mittagspause in einem großen Garten vor einer Bäckerei. Gerade ist es echt schwierig, Supermärkte zu finden, gestern standen wir tatsächlich in einem, der fast komplett leer war. Die letzten 6 km liefen wir nochmal über einen Berg, die Landschaft war wirklich schön. Man kann sich so richtig vorstellen, wie heiß es hier im Sommer ist, auch wenn es heute gerade einmal 19 grad waren. Für morgen planen wir ein bisschen Schummelei, aber mehr dazu morgen. 

 10: Grañon –> Villafranca Montes de Oca

Heute Morgen haben wir nett gefrühstückt, also ich zumindest. Denn mein neues Lieblingsgepäckstück sind die 500g Haferflocken, die ich neuerdings mit mir herumtrage. Man kann sich kaum vorstellen, wie sehr man beginnt, das Baguette zu verabscheuen, denn das gibt es fast in jeder Situation und es ist immer weiß. 

Als wir um 8 endlich loskamen (Anja ist ein totaler Morgenmensch und sehr früh wach, während ich früh morgen ja gar nicht zu gebrauchen bin und die doppelte Zeit für alles brauche) genossen wir wie jeden Morgen die Morgensonne. 

Wir wussten vorher, dass die heutige Etappe entlang der Autobahn verlaufen würde. Nach einer Weile entschieden wir uns, Musik bzw. Hörbuch zu hören, denn der Straßenlärm war sehr nervig, auch wenn die Landschaft trotzdem nett war. 

Mit Musik zu laufen war ziemlich gut. Googlet doch mal Bukahara – Back home, wenn ihr das lest, dann habt ihr denn gleichen Soundtrack wie ich beim Laufen (oder gleich das ganze Album: Strange delight).  Ich finde, der Jakobsweg ist eine perfekte Form von Reisen. Man hat jeden Tag eine klare Aufgabe, die bewältigt werden will: Laufen. Das ist nicht immer einfach, aber oft auch wunderschön. Man muss nichts entscheiden, sondern einfach nur gehen. Mit den Tagen wird es leichter, der Rucksack fühlt sich so richtig an, dir Blasen spürt man nach einigen hundert Metern nicht mehr und man sieht so viel schöne Landschaft und kleine Örtchen, in denen man pausieren kann. Man entwickelt eine richtige Routine. Aufstehen, Bad, Frühstück, Packen. Loslaufen, Mittagspause. Weiter laufen, Schlafplatz suchen. Die lang ersehnte Dusche, Wäsche waschen (beten, dass diese bis zum Nächsten Tag trocken wird), Supermarkt suchen. Pause, Abendessen, dann Gespräche oder schreiben, früh ins Bett. So verläuft tatsächlich jeder Tag. 

Heute haben wir zum Mittagessen Omelett mit Käse und Schinken gegessen und für zwei Omeletts und zwei Café con Leche gerade mal 7,50 bezahlt. 

Nach der Mittagspause haben wir gesehen, wie die Paprika vor dem Einlegen flambiert werden. 

Der Nachmittag war sehr windig, was aber sehr angenehm war. 

Es ist wirklich erstaunlich, wie gut Anja und ich harmonieren, was das Lauftempo und die Lust auf Pausen oder bestimmtes essen angeht. Wenn das du bleibt, laufen wir weiterhin zusammen. Außerdem unterhalten wir uns gern und viel 🙂 

Im Moment überlegen wir, bis Finisterre zu laufen. Da wir meistens Mittags unsere Tagesetappe laut Reiseführer oder App hinter uns haben, und dann gerne noch weiterlaufen, könnten wir das auch trotz Anjas etwas engerem Zeitplan (sie fliegt am 25.10. früh morgens von Santiago zurück) gut schaffen. Wenn die nächsten Tage alles gut läuft, planen wir bis übermorgen einen kompletten Tag aufgeholt zu haben. Wir haben beide keine große Lust, die Nacht im sicherlich überfüllten Burgos zu verbringen, und kurz vor Burgos sollen 8 sehr hässliche Kilometer sein. Vermutlich werden wir diese übermorgen mit dem Bus fahren, zwei-drei Stunden in Burgos zu verbringen und dann weiter zu ziehen. Auch wenn die Busfahrt etwas gegen unseren Ehrgeiz geht. Wir hören tatsächlich öfter Sätze wie „You are fast walkers“ oder „you are strong Ladies“.

Heute sind wir wieder ein gutes Stück mit Debbie gegangen, was immer wieder sehr interessant ist. Gegen sie sind wir fats langsam. Beeindruckt hat uns auch Thomas, der den Camino gerade zum zweiten Mal nacheinander geht, beim ersten Mal hat er seinen Pilgerausweis verloren. Aber nur 19 Tage gebraucht. Für knapp 800 Kilometer!!!!!

Reizvoll am Camino ist auch die Vielfalt der Leute. Bildlich gesprochen ist vom Tellerwäscher bis zum Millionär alles dabei. Und um ehrlich zu sein, bin ich mit bei beidem sehr sicher, dass das nicht nur ein Bild ist. Aber hier sind alle gleich, schlafen in den selben großen Schlafsäälen, stinken und jammern über Wehwehchen. Das ewige Wäsche waschen. die Sehnsucht nach vernünftigem Essen. Und die Sonne, die nur von einer Seite scheint. Meine Schokoladenseite, wenn ich nach Hause komme, wird die linke sein. Warum wandert man auch im Herbst gen Westen?

Unsere Herberge heute Abend ist wieder besonders, denn wir befinden uns auf der Rückseite von einem sehr schicken Hotel aus dem 14. Jahrhundert. 5€ zahlt man hier für eine Nacht und für 12€ kann man ein Pilgermenü im Hotelrestaurant dazu buchen. Ich kann euch nicht beschreiben, wie gut die Speisenauswahl für uns gerade klingt, ich hoffe es wird auch gleich so gut, wie wir uns das vorstellen. 

9: Nàjera–> Grañon

So morgenmuffelig ich auch bin, der Sonnenaufgang und das Morgenlicht sind wirklich sehr, sehr schön.


Es war schon zu erahnen, dass es heute sehr heiß werden würde, gegen Nachmittag haben wir auch die 29° gesehen.

In Santodomingo, also nach etwa 22 Kilometern haben Anja und ich in unserer Mittagspause entschieden, dass wir weiter laufen bis Grañon, also nochmal 7 Kilometer.

 Diese Entscheidung war super, denn das Örtchen war viel kleiner als Santodomingo und wirklich süß. Und wir haben eine unglaublich tolle Herberge gefunden, zu der im Reiseführer stand, dass alles aus recyceltem Material besteht. Sie ist auf Spendenbasis und wirklich gemütlich, und wir haben ein Abendessen gekocht bekommen, dass aus Salat und Linsensuppe bestand, was uns sehr gefreut hat. 

8: Logroño –> Nàjera

Ein langer, sehr schöner Tag mit vielen Menschen und wenig Ruhephasen liegt hinter mir. Die Fakten: 30km+x.

Gestern Abend trafen wir in der Tapasbar neben einem Haufen anderer Pilger auch Lena wieder, was sehr schön war, da wir uns verabschieden konnten, bevor sie heute abreiste. Die Tapas waren unglaublich lecker. Auf dem Rückweg habe ich tatsächlich auch meine erste Kathedrale für den Jakobsweg von innen gesehen. 
Heute morgen haben Anja und ich uns von Philip verabschiedet, der leider heute zurück nach Deutschland geflogen ist. Anja und ich sind zusammen gelaufen und haben uns viel unterhalten, was sehr schön war.

Morgens beim Frühstück habe ich eine Nachricht von Caro bekommen, dass meine lieben Mitbewohner mir auch einen Blog eingerichtet haben, der mich auf dem Laufenden hält, was Zuhause vor sich geht. Diesen habe ich mir als Belohnung für den Abend aufgespart und mich soo sehr gefreut, als ich die Bilder gesehen habe.  Ich vermisse euch, ihr Lieben! 

Insgesamt lief das Laufen heute gut und flüssig. Wir haben vor dem Mittagessen um 12:00 Uhr bereits 19 km hinter uns gelassen und hatten ein gefühltes Festmahl in Ventosa, bestehend aus baguette, Käse, Oliven und Gürkchen vom Markt. Hatte ich schon erwähnt, wie unglaublich gut alles schmeckt, wenn man so lange gelaufen ist?

Auf dem Weg trafen wir Debbie wieder und in der Mittagspause Ana aus Brasilien. 

Nach dem Mittagessen wurde es etwas abenteuerlich, denn wir haben wohl einen Pfeil verpasst und uns verlaufen. Das ganze endete so, dass Anja und ich irgendwann mitten im Wald standen und nicht mal mehr einen Weg sehen könnten. Dafür allerdings Knochen von toten Tieren und jede Menge dornenbüsche. Nach einer Weile haben wir den Weg zum Glück wieder gefunden und sind dann einen kleinen Umweg nach Nàjera gelaufen. Die letzten 3 km waren daher nicht so schön, da wir die Straße entlang laufen mussten. 

Völlig geschafft (ich hatte Probleme mit der Achillessehne und Halsschmerzen und Anja hat die Sonne zu schaffen gemacht) sind wir am Ende in der öffentlichen Herberge gelandet. Die größte, in der ich bisher geschlafen habe. Hier haben wir dann noch gekocht, weil wir beide soo Schmacht nach Gemüse hatten und es war auch unglaublich lecker. Es war ein geselliges Treiben, es haben sich inzwischen mehrere größere Grüppchen gebildet und es war ein bunter und lustiger Abend. Das ist zum Beispiel Kiki, sie reist seit 4 Jahren und Hat auch vor, ihr ganzes Leben lang zu reisen.

Jetzt liege ich in einem überhitzten Schlafsaal mit 60 Mann, es stinkt wie immer sehr und das Schnarchkonzert geht los. Genießt eure Betten, ihr Lieben! Gute Nacht! 

Leider ist das WLAN schon wieder mies, ich hoffe, die Fotos folgen bald! 

7: Sansol –> Logroño

Eine Woche wandern liegt hinter mir! Und es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis wir die 200 km knacken, also ein Viertel des Weges. Heute hatten wir knapp 21 km, der erste Teil war sehr nett zu laufen, der zweite eher nicht so, denn er führte durch ein Industriegebiet. 

Die Morgensonne stand wunderschön, die Atmosphäre war wirklich toll.

Gegen Mittag pausierten wir kurz auf halber Strecke, da es heute nicht so warm war, zogen wir aber schnell weiter. Bisher haben wir sooo viel Glück mit dem Wetter, dass man es kaum fassen kann. Hoffentlich bleibt es so, toi toi toi.

Kurz vor Logroño holten wir uns noch einen Stempel bei einer weiteren Weg-Bekanntschaft, die das Erbe ihrer Mutter weiter führte, die bis zu ihrem 92. Lebensjahr, als sie verstarb, Stempel verteilte. Sie war sehr erfreut, dass wir auch schon bei Pablito waren.

Logroño an sich ist ok, aber nicht wirklich hübsch. Ebenso ist es mit unserer Herberge. Während ich Pamplona ohne Einschränkungen empfehlen kann, kann man sich Logroño in meinen Augen auch sparen. Nachher werden wir noch Tapas essen und dann geht es ab in die Falle, denn morgen liegen fast 30 km vor uns, die auch immerhin 300 Höhenmeter enthalten. Diese aber zum Glück ziemlich gleichmäßig. Mal sehen wie das wird. 🙂